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Holbeins Totentanz und seine Vorbilder
Entstehung
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das ihm niemals gefehlt hat. Und diese Vernachlässigung der künst-lerischen Seite des Totentanzes ist kein Zufall.

Bei der Untersuchung der Totentanzbilder begegnet auch dereigentliche Kunstforscher einer Schwierigkeit, die ihm in ähnlichemMasse nirgends aufstösst: ohne eine gründliche Kenntnis des ana-tomischen Baues ist eine Beurteilung der Totengestalten, insbesondereder HoLBEiNschen, ganz illusorisch. Und zwar reicht dazu, wie sichzeigen wird, ein Vergleich mit richtigen Skelettbildern oder mit wirk-lichen Skeletten keineswegs aus, sondern es ist dazu die Beherrschungder ganzen plastischen Anatomie erforderlich, wie man sie ausser beiFachmännern wohl nur bei den Künstlern selbst antrifft. So habeich denn auch nicht gefunden, das ein Vorgänger oder NachfolgerWoltmanns die Totengestalten Holbeins richtiger gedeutet oder denender älteren Totentänze auch nur eine grössere Aufmerksamkeit ge-schenkt hätte. Und ich darf hinzufügen, dass ich in den bezüglichenSchriften auch in anderen Stücken die scharfe gegenständliche Be-obachtung vermisse, die bei den Totentanzbildern mehr wie beianderen Bildwerken erwünscht ist. Unter diesen Umstämden warnicht nur eine zutreffende grundsätzliche Auffassung jener Bilder er-schwert oder ausgeschlossen, sondern es entging den Forschern auchein wichtiges Mittel der historischen Kritik.

Diese an sich ganz natürlichen Verhältnisse mögen es recht-fertigen, dass ich bei einiger Vertrautheit mit den angedeuteten ana-tomischen Studien es versucht habe, in einem mir sonst fremdenGebiet historischer Forschung da ergänzend einzugreifen, wo solcheStudien unerlässlich sind. Ob diese Ergänzungen anerkannt werden,muss sich freilich erst zeigen; gleichgültig kann aber meines Erachtensnichts sein, was auf die Geschichte der Totentänze auch nur einigesLicht zu werfen imstande ist. Denn indem sie durch JahrhunderteSinn und Geist zweier grosser Nationen mächtig fesselten und zu denausdauerndsten Darstellungen der Kunst in der grossen Volksmassegehörten, gebührt ihnen die Beachtung als einer der wirksamstenkulturgeschichtlichen Erscheinungen jener Zeiten.

Mein eigentlicher Vorwurf waren und blieben freilich HolbeinsTotentänze; was ich vorausschicke, hielt ich teils zum Verständnisihrer Entstehung für nötig, teils schliesst es sich, wenn auch fürdiesen Zweck weniger erheblich, an das übrige natürlich an. Überallhielt sich aber die Untersuchung, umgekehrt wie es bisher geschah,