VV enn wir die gewaltige Bewegung der Kreuzzügeüberblicken und uns vergegenwärtigen; welche unermefs-lichen Opfer an Gut und Blut die abendländische Christen-heit im Dienste der Kirche bereitwillig dargebracht hat ; umdas heilige Land zu erobern, wie aber alle dort mühsamerkämpften Besitzungen wieder verloren gingen, so wirdwohl jeden, der in der Geschichte nicht blofs ein Spiel me-chanischer Kräfte sieht, ein gewisses Gefühl der Wehmutbeschleichen. Dies Gefühl lebte sicher auch in vielen Her-zen der Zeitgenossen und konnte, so sehr man auch gewöhntwar, überall nur einen ethischen Kausalnexus zu erkennen unddemgemäfs in dem Unglück der Christen nur eine gerechteStrafe für ihre Sünden zu sehen, doch nicht völlig durchdie geistliche Trost Weisheit besänftigt werden; es steigertesich zu brennender Scham, zu knirschender Wut, zu ver-zweifelndem Hohne [l]. Am ergreifendsten und würdigstenhat der Predigermönch Riccoldo de Monte Croce, welcherwährend und gleich nach dem Fall Accons im Orient alsMissionar wirkte, die schmerzlichen Empfindungen ge-schildert, welche ihn wie die ganze gläubige Christen weiterfüllten. Er sah die Züge der gefangenen Christen, welcheaus den christlichen Städten Syriens in das Innere Asiensgeführt wurden, er hörte die höhnenden und lästerndenReden ihrer Peiniger und fragte sich: ist Gott denn wirklichgerecht, wenn er die Feinde des Kreuzes so triumphieren,ihre Macht täglich mehr wachsen läfst? Lebten denn inden christlichen Städten, die jetzt rauchende Trümmerhaufen
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