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Die Entstehung des deutschen Reichskrieges gegen Herzog Karl den Kühnen von Burgund
Entstehung
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Am gefährdetsten war seiner Lage nach — da es den Rhein nach desHerzogs Landen hin sperrte — wie auch allen Gerüchten zufolge dasdem Erzbischof so besonders verhasste Neuss. Hier kam es schon imJuni zu einem Vorspiel der späteren berühmten Verteidigung. Der Be-sitzstand der Parteien war damals dort so, dass die Stadt im SüdenSchutz und Verbindung nach Köln hin besass durch die Schlösser, Städteund Ämter Zons — das längst wieder in den Besitz des Kapitels ge-kommen war — und Hülchrath, dagegen sonst die Feinde in bedroh-licher Nähe vor sich sah, in Schloss Erprath, dem pfälzischen Kaisers?werth sowie in Linn und Kempen. Zu Linn sass der Ritter MartinReuschener, dessen wir oben gedachten. Der hatte bisher schon durchhäufige Streifzüge Neuss belästigt; jetzt ging er, vielleicht bereits aufburgundische Hülfe hoffend, dazu über, mit mehreren Parteigenossen vonder Ritterschaft und einem starken Bauernaufgebot aus den ÄmternKempen und Linn bis auf eine halbe Meile vor die Stadt heranzurückenund ihr dort Eingang und Ausgang zu sperren. Doch die Neusser,künftiger Belagerung gewärtig und deshalb schon mit Söldnern verstärkt,zeigten gleich hier, wessen man sich von ihnen zu versehen habe. Einewohlgerüstete Schar schlich sich am 22. Juni abends spät aus der Stadtund überfiel im Morgengrauen das feindliche Lager. Mit glänzendemErfolg: der grösste Teil der überraschten Feinde mitsamt ihren Führernwurde gefangen genommen und mit allem, was sie bei sich hatten, imTriumph zur Stadt geführt. Reuschener selbst und Ritter Friedrich vonHüls erlagen bald ihren Wunden, Ritter Dietrich von Horst und mehrereseiner Genossen blieben im Gewahrsam der Stadt 291 ).

Während hier die Grenzwacht treu gehalten wurde, befestigte sichdie Stellung der Kapitelpartei auch in Westfalen. Von grossem Ein-fluss war dort wieder das Verhältnis zu Hessen. Die beiden westfälischenStädte, die in den Unterhandlungen zwischen Bischof Ruprecht undHerzog Karl für eine Übergabe fester Plätze des Stifts in burgundischenBesitz in Betracht gezogen worden waren 295 ), Brilon und Volkmarsen,lebten in besonderer Feindschaft mit Landgraf Heinrich. Nun hattedieser die Grenzstadt Volkmarsen Ende Mai durch einen wohlvorberei-teten, ergiebigen Beutezug, zu dessen Ausführung es nur eines einzigenTages' bedurfte, heimsuchen lassen 290 ). Dagegen war die schon längst

294 ) Magnum chronicon S. 410 f.

295 ) Siehe oben S. 49.

2SC ) Eine reisige Schar unter dem Grafen Heinrich von Schwarzburgrannte von Wnlfhagen aus am 28. Mai vor die Stadt und nahm ihr an 2000