Druckschrift 
Die Entstehung des deutschen Reichskrieges gegen Herzog Karl den Kühnen von Burgund
Entstehung
Seite
62
Einzelbild herunterladen
 

_ 62 -

Die Herzöge waren selbst in misslicher Lage. Sie sahen sehrwohl, dass bei noch weiterem Umsichgreifen Karls in den niederrhei-nischen Gebieten sie nicht gewinnen, sondern nur verlieren konnten. Schonvon dem bisherigen Verhalten Karls waren sie durchaus nicht recht be-friedigt. Von der anderen Seite kamen nun die kaiserlichen Anforde-rungen, zum Schutz des Reiches mitzuwirken. An reichstreuer Gesin-nung fehlte es diesen Grenzherzögen nicht. — Es entsprach das auchden Gefühlen ihrer Stände und Unterthanen. Der Reichsgedanke, jawir können sagen das deutsche Nationalbewusstsein, war in diesenGegenden durchaus lebendig, gerade der burgundische Übermut ver-schaffte ihm stets neue Nahrung 2G7 ). — Doch auf sich allein angewiesenkonnten die Herzöge unmöglich offen gegen Burgund auftreten. DasGebot der Selbsterhaltung forderte, wie die Machtverhältnisse lagen, Be-stehenbleiben ihres freundschaftlichen Einvei'nehmens mit dem gefürch-leten Nachbarn. Das war es, was in Köln Misstrauen erweckte. 2 " 8 ).Aber im übrigen diente es dem eigenen Vorteil der Herzöge, wenn siemit der wichtigen Hauptstadt am unteren Rheine gut standen. Die bur-gundische Herrschaft konnten sie der Stadt so wenig wünschen, wiedem Stift, dessen Zwiespalt sie mit Spannung und Besorgnis verfolgten.

Herzog Johann von Kleve liess damals verlauten, er wolle per-sönlich, so krank er auch sei — er litt an der Gicht —, im Wagenoder im Karren den Burgunder aufsuchen und aus eigenem Antriebeintreten für die Stadt und für seine Nachbarn im Stift Köln. Die Stadtsolle getrost sein. Doch solle sie auf alle Fälle gute Wacht halten undgewissen Briefen nicht trauen. Ihm selbst sei nach so vielen Hülfe-leistungen keine Treue gehalten worden. Aber man müsse die Rüstungenmöglichst heimlich betreiben 209 ). Die Herzöge von Berg, Gerhard undsein Sohn Wilhelm, hatten ihre Räte wiederholt in Köln zu heimlicherBesprechung. Vertreter der Stadt am bergischen Hofe zu empfangen,vermied man lieber. Aber die Stadt erhielt die beruhigendsten Erklä-rungen. Lebendig wird uns geschildert, wie die Herzöge Kölns Anfrageaufnahmen, wes bei etwaigem Überfall ein Teil zum andern sich ge-trösten solle. Wir gedenken daran, sagte der alte Fürst, dass unsereFreunde von Köln unseren Vorfahren und uns viel Gunst erwiesen haben;

267 ) Schon vor dem Trierer Tage hüren wir von einem Diener des Her-zogs von Berg, der seines Herrn halber auch burgundisch sei, aber im Herzennit; Janssen, Frankfurts Reichskorresp. II 1 S. 302 (1473 Sept. 18).

2C8 ) Siehe oben S. 55 Anm. 238.

269 ) Kölner Memorialb. Bl. 26v (Apr. 25).