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Ludwig von Frankreich, dessen Friede mit Burgund bald ablaufe, seijetzt im Vorteil und nicht mehr behindert durch den König von Ar-ragon und den Herzog von Bretagne. So habe Karl sich sehr vorzu-sehen; er werde vielleicht nicht allzeit in dem Rufe bleiben, in dem erjetzt stehe 202 ). Eine Auffassung der Sachlage, die insofern wohl be-gründet war, als bei einem neuen Ausbruch des burgundisch - fran-zösischen Krieges die Stellung König Ludwigs in der That bedeutendgünstiger gewesen sein würde als früher 203 ). Nur rechnete man zubestimmt darauf, dass der König sich durch diesen Umstand zum Wieder-aufnehmen der "Waffen bewogen fühlen würde. Wir werden nachhersehen, dass es anders kam.
Herzog Karl hatte in hellem Zorn von Trier her am 26. Novem-ber 1473 Diedenhofen erreicht. Dort empfing er alsbald wieder diekurkölnischen und kurpfälzischen Gesandten, ebenso wie solche vonPolen, Ungarn, Venedig, Ferrara, Rom, Neapel, Bretagne, England undDänemark 204 ). Es war wahrlich nicht bedeutungslos, ob man diesenMann zum Freund oder zum Feind hatte. Dass er der Rücksichten aufden Kaiser enthoben war, zeigte sich in der kölnischen Angelegenheitsogleich auf das empfindlichste. Sein Entschluss gab ihr jetzt die Ge-stalt, durch die ihre weitere Entwicklung bestimmt worden ist. Hörenwir den denkwürdigen Erlass, den der Herzog am 11. Dezember, demTag seiner Weiterreise von Diedenhofen, hat ausfertigen und, wie mannach seinem Wortlaut annehmen muss, dem Ersbischof zu freier Ent-scheidung über den Zeitpunkt der Bekanntgabe hat zur Verfügungstellen lassen 20r> ). Erzbischof Ruprecht von Köln, so erklärt der Herzog,hat zur Beilegung des dortigen Streites mit den Domherren und ihrenAnhängern die Gegner mehrfach ersucht, den von ihnen beschrittenen YWeg der Gewalt zu verlassen und entweder den des Rechts vor PapstSixtus oder den der Gütlichkeit vor Herzog Karl als benachbartemReichsfürsten einzuschlagen; vergeblich; das Kapitel und seine Be-günstiger, besonders Landgraf Hermann von Hessen, fahren unablässigfort, mit roher Gewalt das Stift zu verwüsten. Um dessen Untergang
202 ) Bericht Eybs Jan. 7, am Ende; Eyb an Albrecht von Bayern Jan. 17.
203 ) Siehe die Ausführungen von Witte, Zeitschr. für die Gesch. desOberrheins N. F. VI S. 33 ff.
204 ) Lenglet II (siehe oben S. 32 Anm. 141) S. 209.
2or ') Karl an Stephan von Carin 1473 Dez. 11 Diedenhofen; Köln.Stkdtarch., Burgund. Briefb. Bl. 34v; aus einer gleichzeitigen kölnischenÜbersetzung ein mangelhafter Auszug Annalen 49 S. 7.