Druckschrift 
Die Entstehung des deutschen Reichskrieges gegen Herzog Karl den Kühnen von Burgund
Entstehung
Seite
10
Einzelbild herunterladen
 

' 10

von Adelsheim, der einige Jahre laug als Hofmeister Kuprechts einehervorragende Thätigkeit im Stift entfaltet hat 35 ).

Es war für Erzbischof Ruprecht von. grosser Bedeutung, dass ertrotz aller Bedenken, die seine Art von Regierung erwecken musste,uud trotz aller Streitigkeiten, mit denen sein Stift erfüllt war und blieb,bei dem ihm ursprünglich wenig geneigten Kaiser Friedrich doch diereichsrechtliche Anerkennung fand. Auf dem grossen Christentag zuRegensburg empfing er am 1. August 1471 in aller Form die kaiser-liche Belehrung mit den Regalien, wogegen er den vierjährigen gemeinenLandfrieden vom 24. Juli annahm 36 ). Freilich Hessen hiervon nach seinerRückkehr die andauernden Fehden am Rhein nichts verspüren 37 ). Sehrverdrossen hatte es den Erzbischof, dass er nicht prächtig wie seineVorgänger zum Reichstag hatte reiten können, sondern nur in beschei-denem Aufzuge, mit einer geringeren Anzahl Personen, als sie einer seinerSuffragane bei solcher Gelegenheit im Gefolge zu haben pflege 3S ). Auchso habe er seine Kleinode und Pontificalien versetzen müssen. DemKapitel warf er vor, dass es ihn nicht unterstützt habe. Er kam mitdem Entschluss zurück, nachdrücklich auf Bewilligung einer allgemeinen,ausgiebigen Steuer zu dringen ).

Sogleich beschrieb er Kapitel und Stände zu einem Landtage nachBonn und liess ihnen vorhalten, er könne die nicht von ihm herrüh-renden Schulden des Stiftes ohne ihre Hülfe nicht bezahlen. Mau mögedie Not der Fehden zu Herzen nehmen und eine Steuer leisten, dannwolle er sie vor Gewalt beschirmen, jeglichen bei seinen Freiheitenhandhaben, Landesrecht wahren und ihnen ein gnädiger Herr sein. Eswurde Bedenkzeit bis zu einem zweiten Landtag erbeten. Auf diesem,

Friedrich dem Kunz von Berlichingeu, dass er im Dienst Ruprechts sich wieein frommer Edelmann gehalten habe; Quellen zur bayer. Gesch. II S. 478.

) Er war auch mit Ruprecht 1471 in Regensburg.

3f) ) Siehe Mitteilungen aus dem Stadtarchiv von Köln Heft 25 S. 334 ff.Gegen seinen Bruder sollte Ruprecht, wie Kaiser Friedrich am 3. Septemberzu Nürnberg erklärte, durch Annahme des Landfriedens nicht verpflichtetsein; Chmel, Regesten K. Friedrichs Nr. 6448.

37 ) Er will sie vorgefunden haben, Schreiheu von 1472 Jan. 18 S. 113;das Kapitel dagegen wirft ihm alsbaldigen Bruch des von ihm selbst mitbe-schlossenen Regensburger Landfriedens vor, Klageschrift S. 313 (§ 37).

3S ) Nach der Liste bei König v. Königsthal, Nachlese von Reichs-tagshandlungen II S. 117 war er mit nur 72 Pferden in Regensburg.

39 ) Für das vorige siehe im Schreiben von 1472 Jan. 18 S. 112 f., fürdas folgende daselbst S. 113 ff. und in der Klageschrift S. 309 f. (§ 1621).