Druckschrift 
Die Entstehung des deutschen Reichskrieges gegen Herzog Karl den Kühnen von Burgund
Entstehung
Seite
8
Einzelbild herunterladen
 

8

Doch war auf gütlichem Wege wenig zu erreichen. Deshalb ent-schloss sich Ruprecht zuletzt, seine Stellung durch gewaltsame Wieder -erwerbuug eines Teiles der verpfändeten Besitzungen zu verbessern.Gestützt auf ein Bündnis mit Geldern gegen Kleve (September 1467)begann er seit 14(57 die zum Teil wirklich wucherischen Pfandlierrenanzugreifen, die sich darauf zusammenscharten und sich ihrerseits anKleve anschlössen (Mai 1468). In den so entstehenden schweren Fehdenerhielt dann Kuprecht mannigfache Unterstützung durch seinen Bruder.Kurpfälzische Räte, wie der Bischof von Speyer, Götz von Adelsheimund Diether von Sickingen, traten dem Erzbischof zur Seite 24 ). Fried-richs zwanzigjähriger Neffe und Pflegesohn Philipp kam mit stattlicherTruppenmacht zu kriegerischer Hülfe herab 25 ). Zwei unter Friedricherprobte Kriegsmänner setzten sich als Parteigänger Ruprechts im Stiftfest, der stolze Ritter Martin Reuschener und ein im Waffendienst em-porgekommener verwegener Söldnerhauptmann Eberhard Steinbock 2li ).Mit dessen pfälzischen Scharen, man nannte sie nach ihrem Führer dieBöcke, errang der Erzbischof immer mehr Vorteil gegen die Pfandhertenund ihre Leute, die Wölfe 27 ). Anfang 1469 kam Friedrich selbst,damals Reichsvikar in Deutschland, für längere Zeit in das Erzstift 28 ),Er zerstörte in diesen Monaten zwei Schlösser des Grafen von Neuen-ahr 29 ). Bei solcher Hülfe fiel dem Erzbischof nach und nach ein ganzbedeutendes Gebiet zu. Er erwarb die Städte Bonn, Rheinbach, Zül-

Juui 28 (Kremer a. a. 0. S. 381 f.; Quellen zur bayerischen Gesch. II S. 429);Götz war Mitsiegler einer Urkunde Friedrichs für Mathias Juni 28 (Remliug,Urkb. zur Gesch. u. s. w. II S. 346); Juli 11 sprach Ruprecht in einem Briefaus Köln von Anwesenheit Friedrichs (Goerz, Regesten der Erzbischöfe zuTrier S. 224); Aug. 9 war Mathias in Bacharach (Remling, Gesch. II S. 160).2J ) Schreiben von 1472 Jan. 18 S. 110 f.; Kölner Stadtarchiv, Memo-rialbuch des Protonotars 1470 ff. Bl. 60v (1468 Jan. 1).

25 ) Vgl. Memorialb. Bl. 64v (1468 Juli 29).

26 ) Dass Friedrich den Erhart Steinpock genannt Bocklin, der einenkaiserlichen Gesandten gefangen und geschätzt habe, nach solcher That widerVerbot enthalten, war einer der Gründe des Achturteils gegen den Pfalz-grafen Von 1474 Mai 27; siehe Chmel, Monumenta Habsburgica IIS. 395.

27 ) Vgl. Lacomblet IV S. 418 ff.; Mathias von Kemnat in den Quellenzur bayer. Gesch. II S. 50; Magnum chronicon S. 408; Koelhoffsche Chronikin den Dtsch. Städtechr. 14 S. 818.

28 ) Jan. 26 war er noch in Heidelberg (Kremer S. 412 Anm. 2), Febr. 1traf er bereits für seinen Bruder ein Abkommen mit Jülich-Berg (LacombletIV S. 432 Nr. 344, ohne Ort).

29 ) Mathias von Kemnat S. 51; Koelhoffsche Chronik S. 823.