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seiner Lande empfangen 19 ). Aber es konnte gar nicht ausbleiben, dassder Erzbischof das Drückende der Lage, in die er sich sorglos begebenhatte, alsbald sehr unangenehm empfand. Das Schlimmste war, dassdas, was sein Vorgänger noch im Stift innegehabt hatte, jetzt auchnoch zumeist in andere Hände gekommen war, sodass der Landesherreigentlich fast nichts mehr besass. Über Jahr und Tag ist Ruprechteinzig auf das Amt Poppeisdorf beschränkt gewesen 20 ). Vor seinerWahl hatte er reichere Einkünfte gehabt und stattlicher auftretenkönnen, als jetzt. Er drängte bei Kapitel und Ständen, ihn aus solchunwürdiger Lage zu befreien. Vergeblich. Dass er dann mit dem Er-füllen der vielen Forderungen, die er bewilligt hatte, es nicht zu genaunahm, kann nicht verwundern. Mit dem persönlichen Einfluss auf denErzbischof ging es übrigens durchaus nicht so, wie das Kapitel gedachthatte. Leiten Hess sich Ruprecht, aber nicht von den Domherren,sondern von einer Anzahl meist weltlicher Ratgeber, die ihn immermehr in eine einseitige Richtung brachten. So herrschte bald offenerStreit. Da zeigte sich, welchen Rückhalt Ruprecht an seinem Bruder,dem klugen, thatkräftigen und waffengewaltigen Kurfürsten von derPfalz besass. Friedrich war den Wählern durch nichts verpflichtet.Er soll dem Kapitel, in dem schon der Gedanke an Rücktrittserzwingungaufgekommen sei, erklärt haben, nachdem man ohne sein Zuthun seinenBruder erwählt habe, solle man ihn auch gern oder ungern behalten 21 ).Friedrich, der auch zu den Kosten der päpstlichen Bestätigung und desPalliums beigetragen hat 22 ), ist wiederholt selbst in das Erzstift gekom-men und hat sich für Beilegung der Streitigkeiten und für Bewilligungeiner Landessteuer bemüht. So weilte er im Sommer 1468 mit seinemKanzler Dr. Mathias Rammung, der seit kurzem Bischof von Speyerwar, und seinem Hofmeister Ritter Götz von Adelsheim in Köln 23 ).
19 ) Vgl. Tücking, Gesch. von Neuss S. 57 (1463 Mai 5).
20 ) Das klagt er in einem grossen Denkschreiben an seinen Bruder von1472 Jan. 18 Bonn, gedr. Archiv des Vaterlandes I S. 109, auf das wir unsunten noch vielfach werden stützen müssen.
21 ) Magnum chronicon S. 406. — Ganz unrichtig ist die Auffassungdes Jakob Unrest im Chronicon Austriacum bei Hahn, Collectio monumento-rum I S. 593, Ruprecht sei durch seinen Bruder unter Anwendung von Ge-walt als Erzbischof eingesetzt worden.
22 ) Ruprechts Denkschreiben an Friedrich 1472 Jan. 18 S. 112.
23 ) Mathias war dort Juni 18, in der Wohnung des Domherrn GeorgHessler (Remling, Gesch. der Bischöfe zu Speyer II S. 160); Friedrich undMathias waren dort Juni 24 (Speyerer Chronik bei Mone I S. 491 f.) und