176Theile, die Neußer und Burgundier denHauptgraben bald am Oberthor, bald amNiederthor streitig und sich einander durchAn= und Ausfälle gnug zu schaffen machten,war die Fastnachtszeit heran gekommen. Je-der Einwohner, so bedenklich auch immerim Grunde seine Umstände seyn mochten,wollte in diesen Tagen sein Gemüt, das bey-nah unter so vielen Beschwerden erlag, inetwa aufzuheitern suchen. Vorzüglich hatteder Adel an einem dieser Tage ein Turnieroder Ritterspiel angesetzt. Die Edelleute tra-fen in einem prächtigen Anzuge unter demZujauzen vieler tausend Zuschauer an dembestimmten Platze ein und setzten ihre Er-götzlichkeiten bis an den Abend fort. Ueber-haupt war alles, was athmete, bis zum Er-staunen aufgemuntert. Natürlicher Weisemußte dieses Betragen der Belagerten zu ei-ner Zeit, da man sie in der äussersten Ver-legenheit zu seyn glaubte, befremden. EinEngelländer erkundigte sich bey einem Wäch-ter um die Ursache dieses ausserordentlichenGeschreyes. Die Antwort war, daß manzur Aufmunterung der Gemüter eine feyrlicheZusammenkunft vorgenommen und trotz derüberschwenglichen Burgundischen Machtdoch noch Herz gnug hätte, die Belagerungnoch auf zwey Jahre hinaus auszuhalten.Im Grunde verhielt es sich aber ganz an-ders
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Beyträge [Beiträge] zur Neußer Kronik, welche aus ächten Urkunden und bewehrten Schriftstellern gesammelt hat Conrad Aldendorff
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176
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