Rothbart im höchsten Glanze gesehen und trug die edelste Begeisterungdafür. Er griff ein in den Kampf, der das Vaterland damals ver-heerte und ließ sich aus über die politischen Uebergriffe Roms undden „neuen Judas“, der seinen Herrn an die machtgierigen Reichs-fürsten verrathen, geißelte überhaupt die Mißbräuche der Kirche undihre Anmaßung, den Kaiser zu bannen, da die Zeit damals noch naheund die Erinnerung noch frisch im Volke, wie der Kaiser den Papstund die Bischöfe einsetzte und mit Ring und Stab belehnte. Weil zuWalthers Zeit der Kampf schon ein Jahrhundert gewährt hatte, sindseine Beobachtungen für uns Neulinge besonders werthvoll. Das politischNützlichste für uns ist zu lesen, wie vor fast 400 Jahren vor Lutherund seiner Reformation durchaus fromme und biedere deutsche Männersich über die Anmaßungen des Römischen Stuhles und über die Herrsch-begier der Geistlichkeit in weltlichen Dingen ausließen. Alle bezüglichenReimsprüche passen auf unsere heutigen Zeitverhältnisse, als seien siegestern geschrieben, und es ist mehr wahrhaftige Geschichte daraus zulernen, als aus umfangreichen Lehrbüchern, die doch großentheils ver-dreht und gefärbt sind, wogegen hier aus frischer Quelle eigener An-schauung und der Vaterlandsliebe geschöpft ist. Nur darin waltet derHauptunterschied der Zeitverhältnisse, daß sich in Walthers Tagen dieReichsfürsten, die noch zu ihrer Machterweiterung etwas davon hatten,zur Untreue gegen Kaiser und Reich verleiten ließen, wohingegen manetzt das Volk zu bethören versucht, daß es zu seinem eigenen Unter-gange die Hand reiche. Der Zweck, das Ziel bleibt dasselbe: die welt-liche Herrschaft. Nur an ihr, an Gold, Macht und Einfluß ist denUltramontanen gelegen — diese Herrschsucht ist das „Gift, das in dieKirche gefallen“ und die heilige Religion wird von den Jesuiten nurmißbraucht, die blindgläubige Menge zu ködern und sie gegen Kaiserund Reich, gegen das eigene Heil zu verhetzen.Was die hier vorliegende Auswahl betrifft, so konnten von denmehr als 200 Gedichten Walthers nur ein paar Dutzend der kleinerenStücke Raum finden. Aus dem „Freidank“ nur wenige Sprüche. Dockmöge diese überaus zeitgemäße, einem Jeden zugängliche noch so kleineGabe die Bekanntschaft unseres Volkes mit seinen werthvollsten Geistes-schätzen und die Einsicht vermitteln helfen: auf welche Seite sich derrechtsbewußte deutsche Mann im erneueten Kampfe um die Weltherr-schaft zu stellen hat. Mögen dann auch diese Gedichte Walthers, dieseEdelsteine deutscher Dichtung und Weisheit, die ehedem an allen deut-schen Höfen, in Schlössern und Burgen klangen, auch in bescheidenenWohnungen der Bürger und Bauern einen werthvollen Hausschatz bilden.Noch bleibt zu sagen: daß vorliegende Uebertragung durchaus wort-getreu und in den politischen Zeitgedichten der Ausdruck eher gemildertals geschärft ist. Daß das Wort Minne mit „Liebe“, daß Lateran mit„Vatikan“ 2c. übersetzt wurde, geschah des Verständnisses halber.
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