Druckschrift 
Briefe und Documente aus der Zeit der Reformation im 16. Jahrhundert : nebst Mitteilungen über Kölnische Gelehrte und Studien im 13. und 16. Jahrhundert bei Gelegenheit des 50jährigen Stiftungsfestes des Friedrich-Wilhelms-Gymnasiums zu Köln
Entstehung
Seite
VIII
Einzelbild herunterladen
 

2.

In den beiden Abtheilungen des vorliegenden Buchs wird denzahlreichen Freunden der urkundlichen Geschichte des 16. Jahrhundertseine Anzahl von Documenten und Briefen jener Zeit dargeboten, diesich grösstentheils auf die kirchliche Reformation, und auf die damitin Verbindung stehende Reform der Studien im Allgemeinen beziehen.Die meisten dieser Briefe, Widmungen und sonstigen Urkunden er-scheinen hier zum erstenmal gedruckt, oder sind alten seltenen Druckenentnommen.

Einige Vorbemerkungen mögen noch gestattet sein.

Es liegt ein eigenthümlicher Reiz für jeden denkenden Betrachterder Geschichte darin, den mächtigen "Wellenschlag grosser bis aufunsere Tage fortdauernder Bewegungen, in ursprünglichen und un-befangenen Kundgebungen mithandelnder Zeitgenossen zu fühlen, odergleichsam die werdende Geschichte zu beobachten, und unmittelbarin die Spannung der Gegensätze eingeführt zu werden. Wir em-pfangen dann die Kenntniss der Personen und der Thatsachen nichtdurch das Medium des Geschichtschreibers, sondern wir machen gleich-sam persönlich die anregende und erfrischende Bekanntschaft mitdenselben, während ein künstlich und mühsam componirtes biographi-schesLebensbild" oft eine Ermüdung in uns hervorbringt.

Schon in der Reformationszeit selbst hat man fleissig die Briefeder Zeitgenossen gesammelt, wie die zahlreichen noch vorhandenenBriefcodices beweisen, aber die Herausgabe erfolgte nur in sehr un-vollkommener Weise.

Aus mehreren Anzeichen geht z. B. mit Sicherheit hervor, dassGeorg Spalatin eine umfangreiche Sammlung von Briefen seinerZeitgenossen angelegt hat, theils in Originalen, theils in Abschriften.Er stand im Mittelpunkt der Bewegung, war mit den bedeutendstenMännern befreundet, und hatte die Neigung zu registriren undzu sammeln. Eine grosse Anzahl von Documenten verdanken wirseinem Fleisse, wie eine Menge von Urkunden im Corpus Reformatorum,in Kapps Nachlese, in Foerstemanns Urkundenbuche und ähnlichenWerken beweist, die Spalatin mit seinen chronologischen und sonstigenAngaben versehen hat.

Leider sind diese Sammlungen nach dem Tode Spalatins zerstreutworden, wir finden Reste derselben an den verschiedensten Orten; ingegenwärtiger Publication erscheinen z. B. einige Briefe aus den inBern und Basel aufbewahrten Spalatinischen Codices.