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Ut oler Welt : Volksmärchen, Sagen, Volkslieder u. Reime
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ihn zu kam, ihn zu schrecken, so ließ er sich doch nicht wirren, ging weiterund kam zur Stelle, wo das graue Männchen ihn erwartete. »Es ist deinGlück, daß du gekommen bist!« sprach er; »nun gib mir Antwort auf dreiFragen; kannst du sie nicht lösen, so greif ich dich.« »Sag her!« erwidertemit ruhigem Mute das Kind. Da fragte das Männchen: »Was ist härter alsein Stein?« Das Kind antwortete: »Mutterherz.« »Was ist weicher als einDaunenbett?« Das Kind antwortete: »Mutterschoß.« »Was ist süßer als Milchund Honig?« Das Kind antwortete: »Mutterbrust.« Da ist das Männchen ver-schwunden und abgestunken.

Als nun das Kind unversehrt heraustrat, sahen die, welche zurückgebliebenwaren, daß ihm der Arge nichts hatte anhaben können, und freuten sich, dennalle hatten das Kind lieb, weil es so klug war und so gut; da hat auch seineMutter wieder frohe Tage erlebt.

7. Die böse Stiefmutter.

Meine Großmutter hat mir erzählt, es wäre mal eine kleine hübsche Dirnegewesen, die hat eine Stiefmutter und auch eine Stiefschwester gehabt. DieStiefmutter ließ ihre rechte Tochter immer in schönen Kleidern gehen undthat ihr alles zu Willen; sie brauchte auch gar nicht zu arbeiten; aber die Stief-tochter mußte den ganzen lieben Tag draußen am Brunnen sitzen und Garnwinden, daß ihr der Faden zuletzt die Finger ordentlich blutig schnitt. Davonhatte sie aber wenig Dank, mußte immer in lumpigem Zeuge gehen, und ihreStiefmutter sagte ihr nichts als böse Worte. So saß sie auch mal wieder undwand und wand, und die Hände wurden ihr zuletzt so lahm von allem wickeln,daß ihr unversehends der dicke Knäuel in den Brunnen sprang. Da kriegtesie große Angst, denn die böse Stiefmutter hätte sie gewiß geschlagen, wennsie den Knäuel nicht wiederbrachte. Darum stieg sie in den Brunnen hinab;der war wohl tief, aber ganz zerfallen und kein Wasser mehr drinn.

Wie das Mädchen nun unten auf den Boden kam, so war da eine ordent-lich kleine Thür, die machte sie auf und ging hindurch; da war alles frei undschön. Dicht neben der Pforte lag auf einem Blocke ein großes scharfes Beilund Holz dabei, das rief: »Hau mich entzwei, hau mich entzwei!« Da nahmdas Kind das Beil und hackte das Holz. Als es das gethan, ging es weiterund kam zu einem Backofen, drinnen rief das Brot: »Zieh mich raus, ziehmich raus.« Da zog das Kind das Brot aus dem Ofen, und als es nun weiterging, begegnete ihm eine Kuh, die rief: »Melk mich, melk mich!« Das tatdas Mädchen auch und ging weiter. Nicht lange, so begegnete ihm eine Ziege,die rief: »Melk mich, melk mich!« Als das Mädchen die auch gemelkt hatte,ging es weiter und kam zuletzt an ein Haus, davor saß eine alte Frau undspann und hatte einen Hund und zwei Katzen bei sich. »Du mußt nun bei

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