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Die deutschen Herbergen
Entstehung
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ihre Gesellen auszusuchen. Dazu hielten die Altgesellen in derHerberge ihre Sitzungen. Die ganze unselbständige und oft auchdie selbständige Handwerkerschaft hatte hier ihren Mittelpunkt.Neuigkeiten im Gewerbe, alles was wichtig war, konnte dort er-fahren werden. Die zugereisten Gesellen brachten die jüngstenErfindungen und letzten Ereignisse in ihren Berichten vor.\ Die Zunftherberge war das, was dem Arbeiter heute seine Fach-zeitung ist; und dazu bot sie ihm noch ein gewisses, von denInnungsvorständen kontrolliertes Obdach.V-"" Mit der Entwicklung zur Industrie verloren diese [Herbergenihren Kundenkreis, ihren Zweck. Sie verschwinden nach und| nach. Nur in kleineren Städten halten sich noch wenige. Und auch sie dienen nicht nur den Zunftgesellen, sondern allen Wan-; dernden. Die Innungen allein sind eben nicht mehr fähig, einei eigene Herberge zu ernähren. Sie stehen jetzt zum grossen Teil; mit den Herbergen zur Heimat in Verbindung. Nur einige ganz', grosse Innungen der konservativsten Berufe, der Schlächter undBäcker, die ja immer noch zu einem grossen, wenn nicht zum'; grössten Teil aus Kleinbetrieben bestehen, verfügen hier und daüber eigene Herbergen. Aber das ist auch nur in Grosstädtenmöglich. Und selbst dort werden die Herbergsräume an Gast-I wirte verpachtet, wie in Berlin, wo die sogenannte Andreaspenneder Bäcker-InnungKonkordia" wegen ihres jovialen Hausvaterseinen besonders guten Ruf bei den armen Reisenden geniesst.

Wie die Innungen jedoch in der Provinz das Herbergswesenbesorgen, zeigt eine Enquete, die derWanderer" veröffentlichte.Im Regierungsbezirk Potsdam sind 10 Herbergen zur Hei-mat mit 82 Innungen mit ca. 2000 Mitgliedern, im Regierungs-bezirk Frankfurt a/O. 10 Herbergen mit 74 Innungen mit ca.1300 Mitgliedern, in Summa 20 Herbergen zur Heimat mit 156Innungen mit ca. 3300 Mitgliedern eine Verbindung eingegangen.Die Innungen von 10 Städten lehnten eine Verbindung mit denHerbergen zur Heimat ab; meist wollten die Meister persönlichdie Geschenke geben, um sich dabei die Gesellen auswählen zukönnen. Trotz dieser Ausnahmen es handelt sich fast nurum ganz kleine Städte kann man sagen, dass die Herbergezur Heimat an die Stelle der Innungsherbergen getreten int.Zwar ist diese Entwicklung noch nicht ganz vollendet. EinzelneInnungen sträuben sich, ihre Selbständigkeit, ihre freiere Lebens-anschauung unter die von der inneren Mission, die ja mit demHerbergswesen identisch ist, zu beugen. Aber diese wenigen