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Jedenfalls ist diesem neuesten Unterstützungswesen, das sicherst bilden konnte, als schon gefestete Arbeiterorganisationenbestanden, eines eigentümlich: es ist nicht für alle mittellosen,wandernden Angehörigen des Berufes vorhanden, sondern nur fürdie in einer Gewerkschaft Organisierten. Tatsächlich werden dieMitglieder der unterstützenden Gewerkschaften auch auf derWanderung auf einer gewissen Höhe erhalten. Sie können zurAristokratie der Wandernden gerechnet werden. Sie baben meistauch mehr Standesgefühl, als die anderen Wanderer, und werdennicht so leicht verkommen wie jene.
Aber es muss eben dabei bleiben, dass auch diese Selbst-hilfe ungenügend und voller Lücken ist. Schliesslich wird es jaimmer eine Anzahl Arbeiter geben, die nie in eine Organisationzu bringen sind. Und viele Organisationen werden das nie leistenkönnen, was ihre Angehörigen beanspruchen müssten, wollten siein den vielen arbeitslosen Zeiten unterwegs sein. Noch vieleGründe Hessen sich anführen, um die Unzureichlichkeit dieserSelbsthilfe zu zeigen — die übrigens zu dem Ansehnlichsten undBedeutendsten gehört, was auf diesem Gebiete geleistet wird.
Diese Selbsthilfe bat übrigens einen ganz modernen Zug:sie gleicht im Grunde einer gegenseitigen Versicherung gegenArbeitslosigkeit. Die Unterstützten bringen vor oder nach derZeit, in der sie die Unterstützung beanspruchen, die notwendigenMittel auf.
Und so dürfte in dieser Selbsthilfe der Keim zu jenemUnterstützungswesen liegen, von dem wir uns heute eine gründ-liche Abhilfe des Elends der Axbeiterkreise und mit ihm desElends der mittellosen Wanderer erhoffen: der allgemeinen Ar-beitslosenversicherung. Sie dürfte sich vielleicht mit den Ideen,wie sie das Unterstützungswesen der Vereinigungen und Behördenausgebildet haben, verbinden. Es ist nicht einzusehen, warumz. B. die stark zu verbessernden Arbeiterkolonien oder Wander-arbeitsstätten hier nicht dieselbe Rolle spielen sollten, wie imInvaliditätswesen die Heilanstalten. . Denn es wird unter denWanderern immer grosse Gruppen geben, die von der Arbeits-unfähigkeit geheilt werden müssen. Näheres hierüber in meinemBuch „Die Bekämpfung der Landstreicherei".
Das aber wird das Ziel sein: Zusammenschluss aller Ideen,Kräfte und Bestrebungen, nicht die einseitige Ausführung einereinseitigen Idee, die niemals allen Verhältnissen, allen Erschei-nungen gerecht werden kann. Wenn irgendwo ein Zusammen-schluss, eine Zentralisation nötig ist, so ist es hier. Sonst wirdes immer grosse Massen geben, die leer ausgehen, die nichts vomUnterstützungswesen haben. So die wandernden Trinker, danndie Nervenkranken und jene, die durch die Wanderstrapazon ge-schwächt sind; vor allem aber die Gruppen, die mit dem Fernen-sinn, dem Vagabondentrieb behaftet sind. Auch manche Wanderer,