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Unsere armen Wandernden und wie sie unterstützt werden
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die Arbeiterkolonien die Krise überwinden, an der die meistenVerpflegungsstationen zugrunde gingen. Ja, sie leisteten in derletzten Niedergangsperiode sogar ziemlich. Wertvolles. Sie ver-suchten, dem Andrang gerecht zu werden und errichteten Not-standsbaracken und Aussonkolonien, beschäftigten also grössereTrupps ausserhalb und zwar stets auf die ihnen eigentümlicheArt, nämlich in Heide, Moor oder bei Regulierung von Fluss-läufen und Wegebauten, wo sie anderen Arbeitern keine Arbeitfortnahmen.

Dennoch haften ihnen zahlreiche Mängel an. Sie sollten ebenmehr von Aerzten denn von Theologen geleitet werden. Handeltes sich doch oft um Trunksüchtige, Nerven- und Willenskranke,überhaupt um Krankhafte. Bei der Gründung der Kolonienwurden aber nur Theologen und Behörden gehört. Und Jene, diees angeht, wurden nicht gefragt: die wandernde, die arbeitendeBevölkerung. Das aber ist ein entschiedener Mangel. Daherkommt es, dass die Arbeiterschaft all diesen Anstalten gegenübersteht, wie wenn sie Gefängnisse seien und jeden, der in ihnenleben muss, degradierten.

Das Ausland, soweit es dem Deutschen Reich benachbart ist,ist auch noch zu keiner besseren Organisation des Unterstützungs-wesens gekommen. In der Schweiz und in Oesterreich herrschtdas Stationswesen vor. Folgende Schweizer Kantone haben Ver-pflegstationen: Aargau, Appenzell A. Rh., Appenzell I. Rh., Basel-Land, Basel-Stadt, Bern, Glarus, Luzern, St. Gallen, Schaffhausen,Solothurn, Thurgau, Zug, Zürich. Die welschen Kantone kennendies Unterstützungswesen nicht. Auch wird es in den deutschenhier und da reformiert und an die Zentralarbeitsnachweise an-geschlossen. Gesamtkosten: 1902= 217 842,25 Fr., 7464,56 Fr.mehr als 1901. Der Staat steuerte 78864,20 Fr. bei, das übrigemussten die Gemeindeverbände und Wohltätigkeitsvereine auf-bringen. Auch hier hat die eigentliche Wanderarmut nicht ab-genommen. Nur die Deutschen haben sich vermindert. Und beijedem Schwanken des Arbeitsmarktes steigt auch hier noch dieZahl der Bettler, so zeigend, dass der Grund der Wanderbetteleieigentlich in Arbeitslosigkeit zu suchen ist. Selbst in den Jahres-zeiten schwankt die Zahl der Unterstützungsbedürftigen. Am15./6. 1902 verlangten 351, am 15./12. 1902 dagegen 737 Per-sonen Stationsverpflegung.

Von Belgien wurde vor einiger Zeit berichtet, es habe, dankstrenger Einrichtungen und Gesetze, fast keinen Wanderbettelmehr. Doch besitzt es nur mehrere Anstalten, in die arbeits-fähige und arbeitsunfähige Wanderarme auf 27 Jahre unter-gebracht werden. Hier zahlen fast immer Staat, Provinz undGemeinde je ein Drittel der Kosten. Nachdem sich anfangs dieWanderarmen verminderten es war in der Zeit des wirt-schaftlichen Aufschwungs hat man jetzt in Belgien einen