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Unsere armen Wandernden und wie sie unterstützt werden
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wer sich als arbeitsunfähig erweist, soll möglichst nicht auf denBettelpfad gewiesen, sondern der polizei- und armenrechtlichenFürsorgepflicht anvertraut werden. Tatsächliches Arbeitsangehotan jeden mittellosen Wanderer durch den Stationsnachweis inenger Verbindung mit dem zentralisierten allgemeinen Arbeits-nachweis und durch die eigene Wanderarbeitsstätte das solldas Hauptscheidemittel zwischen Arbeitsuchenden und Arbeit-fliehenden bilden. In jenen westfälischen Städten, in denen diesestrengere Ordnung eingeführt wurde, betrug die Zahl der polizei-lich obdachlos Verpflegten im Februar 1903 um 1423 oder 71Prozent weniger als im Februar 1902 und die Zahl der in denStationen Verpflegten fiel von 14346 auf 8248. Hier spielt sicherdie grössere Arbeitsgelegenheit des Jahres 1903 eine Holle. Dochist auch die strengere Ordnung des Stationswesens nicht ohneEinfluss. Stieg doch in vielen benachbarten Stationen die Zahlder Besucher, weil sie es dort leichter fanden, als in Westfalen.Die Bummler mieden eben das neue Stationsnetz.

Es ist natürlich, dass auch hier die Verpflegung überall aus-reichender und kräftiger gestaltet wurde. Und auch die Unter-bringung wurde verbessert. Viele Stationen geben das Nacht-lager in Betten. Dennoch fielen die Kosten bedeutend, um mehrals 20 Prozent. Von Oktober 1902 bis Oktober 1903 gaben diewestfälischen Verpflegstationen 61703,92 Mk. aus gegen77 816,80 Mk.im Vorjahr.

So vollzieht sich dort die Umwandlung des alten Systems derzerstreuten und schlechten, mangelhaften Stationen in ein Kon-zentrationssystem von wenigen guten, besser ausgestatteten Sta-tionen. Sie leiten den Wanderverkehr auf wenige Hauptwander-strassen, die alle Hauptarbeitsplätze verbinden, und verhindernso das zwecklose Umherwandern.

Damit dienen sie der sesshaften Bevölkerung, die vom über-mässigen Bettel verschont bleibt und sie dienen auch derwandernden Bevölkerung, die nicht unnütz auf der Strasse zu liegenbraucht, sondern rascher wieder in Arbeit und Verdienst kommt und ausserdem unabhängig wird von den willkürlichen Schwan-kungen des jeweiligen Bettelertrages.

Notwendig wäre nur, dass die Kontrolle über diese Einrich-tung nicht nur behördlichen und Fürsorge-Organen übertragenwird. Auch die Arbeiterschaft, als grösste Quelle der wanderndenBevölkerung, müsste an der Verwaltung beteiligt sein um demStationswesen auch in Arbeiterkreisen Rückhalt und Verständniszu verschaffen, um ihm in den Augen der Arbeiter das scheinbarBureaukratische zu nehmen, das ihm so sicher anhaftet und einewirklich moderne Ausgestaltung verhindert. Werden die minderBemittelten von der Verwaltung der Stationen ausgeschlossen, sowürde damit festgestellt sein, dass man sie neuen administrati-ven Schikanen unterwerfen will. Ohne die Mitwirkung aller Be-