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eingehende Schilderung des Stationswesens, Geschichte ihrer Ein-führung, ihrer Verbreitung und detaillierte Darstellung der Er-fahrungen eines Wanderers in den Stationen.
Jedenfalls hatten die Stationen nicht das erreicht, was manvon ihnen erhofft hatte: die Verminderung der Wanderhettelei.Im Gegenteil, mit ihrer Vermehrung stieg auch die Zahl derWanderer; es war eben die Zeit des wirtschaftlichen Niedergangszu Anfang der neunziger Jahre. Die Lasten wurden immer grösser.Die einzelnen Kreise, Städte oder Verbände konnten oder wolltendie Kosten nicht mehr allein tragen. Jene Orte, die durch dieEinrichtung des Stationswesens oder vom Strom der armen Wan-derer verschont blieben, weigerten sich, zur Unterhaltung beizu-tragen und so ist denn seitdem das Stationswesen in einem un-aufhaltsamen Rückgang. Nur das Königreich Bayern hat nochein festes Stationsnetz. Auch in Westfalen, Meklenburg-Strelitz,Oberbaden, in der Provinz Sachsen, in Anhalt und einigen thü-ringischen Staaten befinden sich ziemlich feste Stationsnetzo.
Augenblicklich dürfte sich das Unterstützungswesen der Be-hörden wieder so stellen, wie es Pastor von Bodelschwingh inden achtziger Jahren aus 67 Städten mit über 30 000 Einwohnernermittelte. Vierzehn Städte taten für oder gegen die Wander-bettelei nichts. Auf Grund des Gesetzes unterstützten sechs Städte— hier erhielten also die Wanderarmen gewisse polizeiliche Für-sorge. Fünfzehn Städte gaben bare Unterstützung, und Natural •Verpflegung ohne Arbeitsforderung ebenfalls fünfzehn Städte.Siebenundzwanzig Städte verpflegten gegen Arbeitsleistung.
Die meisten Techniker der Wanderarnienpflege sind dennauch schon über das Stationswesen hinausgekommen. Die Härten,die allein in dem winterlichen Laufen von Station zu Stationliegen, wo so ein durchnässter und durchfrorener Ankömmlingdann aiich noch arbeiten soll — oder wo er sich vor dem Wandern,beim Schneefegen oder Strassenkehren bereits nasse Kleidung unddurchweichtes Schuhwerk geholt hat, die Unmöglichkeit, in denzerstreuten Stationen etwas Ausreichendes zu bieten und denArbeitsmarkt zu organisieren, haben eine Reihe neuer Vorschlägeerzeugt. Der eine will alle Wanderarmeii nach den Oedländereienschaffen in ein „Arbeitsheer"; Moor und Heide soll von ihnenkultiviert und sie darin angesiedelt werden. Diese neue Art vonDeportation dürfte aber nicht zum Ziele kommen. Es ist ebendoch nicht einzusehen, warum ein unschuldig Arbeitsloser ver-urteilt sein soll, in eine Art Strafkolonie auf Lebenszeit abge-schoben zu werden.
Andere schlagen Watiderarbeitsstätten vor — eine Einrich-tung, die zwischen den Verpflegstationen und den Arbeiterkolonienliegt. Jeder mittellose Wanderer soll in einer von den Regierungs-bezirken zu unterhaltenden Arbeitsstätte untergebracht werden,bis er wieder Arbeit bekommt. Der Weg zu diesen Arbeitsstätten