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Unterstützungswesen wenigstens örtlich zu organisieren. Zugleichaber wurde es aus dem Unterstützungswesen zum Abhilfewesenhinübergedrängt. Es sollte nicht mehr nur gegeben, nur unter-stützt werden, sondern der „Landstreicher" sollte von der Land-strasse entfernt werden. Vor allem-sollte ihm das Betteln ab-gewöhnt werden. So ist denn der „"Verein gegen Verarmungund Bettelei" eine wichtige Episode in der Entwickelung desUnterstützungs- und Abhilfewesens. Er leitete hinüber zu denmeist von Behörden errichteten Verpflegungsstationen und damitzur Arbeiterkölonie und all den Einrichtungen und Vorschlägen,die damit zusammenhängen. Er hat zwar heute nicht mehr dieVerbreitung und Bedeutung wie in den achtziger Jahren. Dochsind seine Schilder noch in vielen Orten zu finden. Diese Ver-eine sind aber nicht fähig, alles Notwendige zu tun. Und esbleibt bei ihrem Wirken dabei, dass einzelne Landstriche, einzelneStädte überlastet werden, andere aber ganz frei ausgehen. Soein Verein kann eben nur in einem Orte, nie in einem grösserenBezirk wirken.
Ausser diesen weitverbreiteten Verbindungen existieren nocheine Anzahl von lokalen Verbindungen. Eine sehr charakteris-tische ist der Berliner „Dienst an Arbeitslose", der seit demJahre 1882 besteht. Er verfolgt den Zweck, Arbeitslose, besondersjugendliche Arbeitslose aus Berlin, wieder auf das Land oder indie Heimat zu schaffen. Er übersieht bei dieser retardierendenTendenz ganz und gar die Triebe und Folgen der Gegenwart.Auch scheint er nicht zu wissen, dass er, wenn er wirklich einenWanderer von der Landstrasse nimmt und ihn in dessen Heimatin Stellung bringt, jenen, der so lange die Stellung eingenommen,auf die Landstrasse drängt. Dabei muss es für den Ueberblickendenbleiben, selbst wenn in einzelnen Fällen die Umstände günstigerliegen. Oft natürlich werden auch Wandernde in wirklich offeneStellen gebracht. Doch ein Drittel aller durch die Jügendhilfedes Vereins in Arbeit gebrachten Wanderer wird in die Heimatbefördert. Der Verein erhält sich, wie alle derartigen Verbände,durch freiwillige Gaben, die ihm aus den wohlhabenden KreisenBerlins und seiner Vororte reichlich zuflicssen.
Er stellt also ebenfalls eine Organisation der privaten Wohl-tätigkeit dar, ebenso wie die Schreibstuben in mehreren grossendeutschen Städten, in denen kaufmännisch gebildete Wanderersich tageweise ihren Lebensunterhalt verdienen können.
Diese Vereine gegen Bettelei waren, wie gesagt, die Vor-läufer einer andern, mehr von behördlichen Organen ausgehendenBekämpfung der Landstreicherei. Als im Anfang der achtzigerJahre die Wanderbettelei in Deutschland allmählich zu einem"" un-geheuerlichen Umfang angewachsen w r ar, der sich darin ausdrückte,dass die Zahl der in die Korrigendenanstalten eingelieferten Per-sonen, deren Hauptmasse aus Bettlern und aus Landstreichernbestand, in der kurzen Zeit von 1874 bis 1883 fast auf das drei-