122 Fragen über die Ventilation
sind, für etwas vollkommen Ueberflüssiges. Dass dieserAusspruch nicht zu hart ist, hat sich auch praktisch erwie-sen. Seit fast einem Jahre ist in dem neuen Gebärhauseder ganze Theil des Apparates, welcher die Zufuhrung derfrischen Luft besorgen sollte, durch Regierungsbeschluss aus-ser Thätigkeit gesetzt und abgesperrt. Die Luft dieser An-stalt ist seit dieser Zeit nicht nur keineswegs schlechter alszuvor geworden, sondern es ist auch das Puerperalfieber seit-dem daraus verschwunden. Ebenso dürfte man die Luftar-terien des allgemeinen Krankenhauses jeden Augenblick ent-fernen , ohne den mindesten Nachtbeil davon befürchten zumüssen; sie liefern ohnehin selbst im günstigsten Falle nurden achten Theil des notwendigen Luftquantums. — Eswürde auch keinen' sehr merklichen Unterschied machen,wenn man die Communikation der Säle mit der Heizungunterbrechen würde, denn auch der auf diesem Wege ver-anlasste Luftwechsel ist nicht sehr gross, und jedenfalls auchhöchst unregelmässig. Durch einen Ofen, der einen Saalvon 14000 Cubikfuss Rauminhalt heizt, strömen in der Stundebei lebhafter Flamme höchstens 100 Cubikmeter Luft, wäh-rend man in Krankensälen stündlich für einen einzigen Men-schen bereits 60 Cubikmeter nothwendig hat.
Es lässt sich nicht in Abrede stellen, dass man mit demzweiten Motor, einem Zugkamine von gehöriger Höhe undWeite gut ventiliren kann, nur wird eine sehr regelmässigeLeistung nicht davon zu erwarten seyn, da seine Thätigkeitmit jeder Schwankung der inneren und äusseren Temperaturwechselt, und es dürfte sehr schwierig seyn, allen Schwan-kungen der äusseren Luft durch die Temperatur im Zug-kamine jederzeit entsprechend zu folgen. Ein grosser Uebel-stand ist mit den hierauf gegründeten Ventilationsapparateuverbunden, nämlich dass man es nicht im mindesten in seinerGewalt hat, auf welchen Wegen man die frische Luft zu-führen will: sie drückt eben durch alle wo immer vorhandenen