von Dp. Max Pettenkofer. 97
kann, in der gegenüber stehenden Röhre wieder gesammelt,unter Wasser mit Geräusch und in Blasenform austreten,da sie seitlich nirgends entweichen kann.
Von ganz besonderer Wichtigkeit ist die Porosität desMörtels. Der Mörtel ist dasjenige Material, welches bei demverschiedensten Baumaterial (Ziegelstein, Bruchstein, Sand-stein) als Verbindungsmittel, und in der ganzen civilisirtenWelt als Verkleidung des Innern, und meistens auch desAeussern der Gebäude benützt wird. Der Mörtel, diesesGemenge, das man gewöhnlich aus 1 Theil gelöschtem Kalk-brei und 2 Theilen Sand bereitet, ist der ganzen civilisirtenWelt gemeinsam; wir verwenden ihn in unsern Gebäudenbei jeder möglichen Verschiedenheit des Baumaterials. Ichhabe mir Mörtel aus einem alten Gebäude verschafft, dersehr hart geworden war. Ich liess ihn zu einem möglichstcylindrischen Stücke behauen, richtete ihn in ähnlicher Weisevoi'j wie ich oben bei dem Ziegelsteine angegeben, und fanddass man durch das Mörtelstück sehr leicht Luft blasenkann. — Beispiel von den Weissdeckeri S. unten §. 112.
Diese Permeabilität für Luft verliert aber der Mörtelgänzlich, sobald er an den beiden, vom Wachsüberzugefreien Flächen, oder selbst nur an einer derselben, hinläng-lich mit Wasser benetzt wird. Ziegelstein verhält sich ähn-lich gegen das Wasser, ebenso Sandstein. Die Poren, welchesonst der Luft- mit Leichtigkeit den Durchgang gestatten,sind nun mit Wasser verschlossen, welches bei der feinenVertheilung so fest adhärirt, dass es durch mechanische Kraftvon der Luft nicht verdrängt werden kann. Während sonstdie geringste Spannung der Luft hinreicht, sie durch denMörtel hindurch zu bewegen, kann man bei befeuchtetemMörtel das Hundertfache der Kraft anwenden, und man siehtdurch denselben dennoch nicht eine einzige Luftblase aus-treten. — Mit der Verdunstung des Wassers wird der Mörtelwieder durchgängig für die Luft.
Pettenkofer, Luftwechsel. 7