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Über den Luftwechsel in Wohngebäuden
Entstehung
Seite
79
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von Dr. Max Pettenkofer. 79

Zimmer enthält 3000 Cubikfuss Luft deren anfänglicherKohlensäuregehalt als den der freien atmosphärischen Luftzu 0,5 pro mille angenommen, befanden sich in derselbenbereits 1,5 Cubikfuss. Die Respiration lieferte binnen 4 Stun-den noch 2 Cubikfuss Kohlensäure dazu; es sollten sichsomit 3,5 Cubikfuss oder 1,2 pro mille Kohlensäure in derLuft befinden; die Beobachtung weist aber nur 0,54 bis 0,68pro mille nach. Wenn mithin die Kohlensäure nicht imRäume selbst absorbirt worden ist, so kann sie nur durchLuftwechsel verschwunden seyn.

Wir haben in unsern Wohnungen, wenn sie nicht ganzneu sind, keine Flächen, welche Kohlensäure absorbirenkönnten. Der Aetzkalk im Mörtel und in der Verkleidungder Wände ist, wenn die Wände trocken sind, keine Quelleeiner solchen Absorption. Die zunächst mit der Zimmerluftin Berührung stehenden Wandflächen werden bald in kohlen-sauren Kalk verwandelt; es beruht ja grossentheils hieraufdie Erhärtung des Luftmörtels und die Fixirung aller Anstricheauf frischen Kalkwänden. Der etwaige Aetzkalkgehalt imInnern der Wand kommt hier nicht mehr in Betracht, dennsobald die Luft diesen erreicht, so ist der Fall des Luft-wechsels bereits gegeben. Die Ursachen, welche die koh-lensäurehaltige Luft 1 und 2 Fuss tief in die Wand hinein-führen , führen dieselbe auch durch die Wand hindurch in'sFreie, denn es ist unstatthaft, zu denken, dass die Luftsich in die Wand begäbe, um ihre Kohlensäure zu verlierenund dann als kohlensäurefreie Luft wieder in's Zimmer zu-rückzukehren. Ein solcher Fall wäre nur theilweise denkbar,wenn wir nach Aussen einen hermetischen Verschluss hätten.Wenn aber die Luft durch die Wände durch in's Freie dringt,so kann es gleichgültig seyn, wie viel sie auf diesem Wegean ihrem Kohlensäuregehalt verliert.

Es lässt sich übrigens durch direkte Versuche beweisen,dass ausgetrocknete Mörtel einer Luft, die nicht mehr als