von Dr. Max Pettenkofer. 73
Wohnräume verhüten, als wenn wir die .Folgen einer zu-gelassenen Verunreinigung hintennach durch kräftige Ven-tilation wieder möglichst zu beseitigen streben. Wir wissen,dass die Ausdünstungen faulender, verwesender Stoffe, dassdie Excremente von Menschen und Thieren die Luft unsererWohnräume in .unerträglicher Weise verunreinigen können,und zwar in einer Weise, dass die kräftigste Ventilationnicht mehr dagegen ankämpfen kann. In diesen Fällensagt uns die einfache Vernunft, dass wir unsere Sorgfaltauf Entfernung solcher Stoffe zu richten haben. Ohne durch-greifende Reinlichkeit in einem Hause helfen uns alle Ven-tilationsvorrichhingen wenig, während eine strenge Hand-habung der Reinlichkeit die Ventilation auf das Kräftigsteunterstützt und zur Geltung bringt. Was hilft es, wennwir Krankensäle und Gefängnisse ventiliren, ihnen frischeLuft zuführen, aber diese durch die .fortwährenden Ausdün-stungen schlecht construirter und stinkender Leibstühle gleichwieder verpesten lassen.? Ein Raum, welcher einen ver-wesenden Misthaufen einschliesst, wird trotz aller Ventilationeine ekelhafte Wohnstätte , ein Herd für schlechte Luftbleiben. Erst wo die Reinlichkeit durch rasche Entfernungoder sorgfältigen Verschluss luftverderbender Stoße nichtsmehr zu leisten vermag, beginnt das Feld für die Ventila-tion. Es ist sicher kein Irrthum, wenn man in Rücksichtauf die Salubrität der Luft eines Hauses der Reinlichkeitden ersten und obersten Platz anweist: ihre Aufgabe ist es,alle fremdartigen Stoffe, welche die Atmosphäre verderbenkörinten, mit einer nimmermüden Sorgfalt zu entfernen,oder sie zu hindern, ihren Weg in die Luft des bewohntenRaumes zu nehmen.
Wenn ich in dem Folgenden von Reinhaltung der Lufteines Wohnraumes durch Ventilation spreche, so setze ichstets die Handhabung der grössten Reinlichkeit als selbst-verständlich voraus. Gegen die Verunreinigung der Luft