von Dr. Max Pettenkofer. 55
ist) ist sehr zu beachten. Er ist eine so bedeutende Grösse,dass sie fast das Doppelte mehr beträgt, als der Zutluss aufdein der frischen Luft vorgeschriebenen Wege. Sie darf,wie ich unten zeigen werde, künftig nicht nur nicht ausserAcht gelassen werden, sondern wir können.diesen Wegengeradezu Funktionen bei der Ventilation gemauerter Gebäudeübertragen, für die wir bis zur Stunde eigene Vorrichtungenfür nöthig gehalten haben. — Dem chronologischen Gangemeiner Darstellung etwas vorgreifend, erwähne ich hier einevon mir in Gegenwart des Herrn Dr. Grassi auf der männ-lichen Abtheiluug des Spitals Lariboisiere beobachtete That-sache. Diese Abtheilung wird nicht durch einen Zugkamin,sondern durch eine Dampfmaschine ventilirt, welche einenVentilator bewegt, der mindestens 60 Cubikmeter frischeLuft per Stunde und Bett in die Säle führt. Damit die Luftwieder aus den Sälen entweichen könne, sind an vielenPunkten Abzugskanäle angebracht, welche sich unter dem.Dache des Pavillons zu einem gemeinsamen Schlote ver-einigen und durch diesen ' ihren Inhalt in die freie Luftströmen hassen. Der Saal St. Augustin ist für die chirur-gischen Kranken bestimmt. Er war am 13. Mai 1857 mit30 Kranken belegt. Fenster und Thüren waren vollkommengeschlossen. Die Maschine hatte den Gang, wo nach denMessungen jedenfalls 60 Cubikmeter frische Luft per Stundeund Kranken in den Saal kamen. Die Luft des Saales war,nach dem Geruch zu urtheilen, vollkommen gut. Und dochblies es aus den Abzugskanälen in einer Weise in den Saalheraus, dass bei mehreren, an die eine brennende Kerzegehalten wurde, die Flamme wagrecht, wie von einem Löth-rohre gestellt wurde. Der Saal empfing somit nicht nur Luftaus den Zuführungs-, sondern auch aus den Abführungs-gängen, und den Abzug der Luft vermittelten in diesemFalle lediglich die zufälligen Oeffnungen. Dr. Grassi warsehr erstaunt über dieses Vorkommniss, was er noch nie