\ Die Kohlensäure in der atmosphärischen Luft
Meine Methode beruht wie alle übrigen auf der Ab-sorption der Kohlensäure durch ätzende Alkalien, und setztwie alle übrigen voraus, dass in der Luft keine andere freieSäure in bestimmbarer Menge zugegen sey. — Sollte einesolche zu entdecken seyn, so müsste dieselbe eigens be-stimmt werden. Es sind übrigens kaum Umstände denkbar,wo die Voraussetzung sich nicht statthaft erweisen könnte.
Als alkalische Flüssigkeit ziehe ich für den vorliegendenFall das gewöhnliche Kalkwasser allen übrigen Mitteln vor.Der Gehalt desselben an Aetzkalk ist sehr gering und schwanktnur innerhalb ziemlich enger Gränzen. Der Kalk sättigt dieSäuren zu vollständig neutralen Salzen und bildet mit Kohlen-säure eine unlösliche Verbindung, so dass die grössere odergeringere Trübung des Kalkwassers durch eine Luft bereitseinen Anhaltspunkt für eine wenn auch nur sehr approxi-mative Schätzung einem geübten Auge darbieten kann.
. Der Gehalt eines Kalkwassers an Aetzkalk (CaO) istmit grosser Leichtigkeit und Schärfe durch Titriren miteiner sehr verdünnten Säure von bekanntem stöchiometrischenWerthe zu ermitteln. Im Grade der Verdünnung der Säureliegt das Mittel, die Empfindlichkeit der Bestimmung bis zubeliebig kleinen Graden auszudehnen. Für meine Zweckehabe ich es genügend gefunden, eine Säure anzuwenden,deren Menge in 1 Cubikcentimeter Flüssigkeit das stöchio-metrische Aequivalent von 1 Milligramm Kalk repräsentirt.Jede in Wasser lösliche Säure von bekannter Sättigungs-capacität ist dazu brauchbar. Ich habe die Oxalsäure meh- .reren, die ich versuchte, vorgezogen, erstlich weil sie leichtrein zu erhalten ist, dann weil sie ein fester Körper ist,der bei gewöhnlicher Temperatur an der Luft an Gewichtweder zu- noch abnimmt, und sich desshalb mit Leichtigkeitgenau abwägen lässt. Sollte man von der Reinheit der zuverwendenden Oxalsäure nicht völlig überzeugt seyn, solässt sie sich durch mehrmaliges Umkrystallisiren leicht rein