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Nächstdera begrüsse ich mit herzlichstem Willkommen unseres Collegiums dieausserakademische Künstlerschaft Düsseldorfs, deren mächtiger Einfluss auf die Frucht-barkeit der Akademie sie mit und wider Willen zu den Unsrigen macht.
Auch seien uns willkommen die Herren des Kunstvereins und unserer Aus-stellungen, deren Geschichte sich vielgestaltig verknüpft hat mit der unserer akade-mischen Anstalt. Sie werden unsern, wie wir ihren Segen sicherlich von ganzem Herzenwünschen und wir vertrauen, nach wie vor uns nicht nur im Geiste, sondern auch inder Materie freundschaftlich zu begegnen. Diese letztere Bemerkung sei dem Künstlererlaubt, denn worin anders verkörpert sich für uns der Geist, als in der schönen Stoff-welt der Natur, die sich in Form und Farbe offenbart. Doch nicht nur Schönheit,sondern auch Wahrheit sei der Wahlspruch, der auf unserm Banner steht, und eineWahrheit zwar, die zum Geist und zum Gemüthe spricht. Möge die junge Künstler-welt mehr und mehr wieder unter diesem Motto in die schöpferische Thätigkeit derverschiedenen Kunstbereiche eintreten und sich. im Schaffen dessen bewusst werden,dass Ideal und Wirklichkeit in den Sphären der Kunst sich die Hände reichen.
Manche Stimmen sind in unseren Tagen schon laut geworden über die Leereder Gedanken in unseren heutigen Bestrebungen, die unter der Jagd nach Technikunvermerkt eingeschlichen sei. Diese Stimmen sind der Ausdruck der geistigen Naturunseres Volkscharakters, welcher auf die Dauer durch blosse Virtuositäten ohne oder mitfragwürdigem Inhalt nicht zu befriedigen sein würde. Sie sind ein wohl zu beherzigendesSymptom und tröstlich für die Wünsche unseres heutigen Lehrkörpers, nicht mindertröstlich und erfreulich, als der allgemeine Trieb nach technischem Können unter Vor-aussetzung des innern Capitals. Vielgestaltig, gleich einem Proteus, zeigt die heutigeZeit kaum eine Kunstanstalt, in welcher sich nicht grosse Gegensätze begegnen. DieseGegensätze sind ja ohne Kampf nicht denkbar und er ist nun einmal, horribile dictu,eines der vornehmsten Symptome alles irdischen gestaltenden Lebens.
Aber, meine Herren! wir wollen ihn, der am wenigsten dem friedlichen Bereicheder Künste angemessen erscheint, soweit er nicht zu vermeiden ist, nach dem erhe-benden Vorbilde zu führen suchen, welches uns der Geist unseres Heeres im Felde gebotenhat. Wir wollen uns als Brüder, als Deutsche fühlen, welchem Regimeute oderwelchem Staate wir auch angehören, wir wollen durch Vereinigung aller werthvollenElemente unseres vaterländischen Bodens in dem Sinne zu erstarken suchen, dass wiruns ehrenvoll behaupten in der Concurrenz mit den übrigen Nationen. Und um dieszu vermögen, dürfen wir vor Allem das Heiligste,' unsern nationalen Schatz, auch inder Kunst nicht verlieren, den deutschen Geist und das deutsche Herz."
Nachdem Professor Wislicenus diese Rede beendet, sprach zunächst der derzeitigeRector der Universität Bonn, Herr Professor Dr. von Hanstein. Der Wortlaut seiner Redeist der folgende:
„Im Namen der Universität Bonn, welche ich zur Zeit vertrete, habe ich dieEhre, der Düsseldorfer Kunstakademie zur Weihe ihres neuen Hauses die theilneh-mendsten Glückwünsche derselben zu überbringen.
Die hohen Schulen zu Düsseldorf und Bonn haben sich die eine auf dem Gebieteder Kunst, die andere auf dem Gebiete der Wissenschaft, als echte Zwillingsschwesternin schwesterlichem Wetteifer in unserm schönen Rheinlande nebeneinander entwickelt.Wie natürlich, dass die eine die wärmste Theilnahme für Alles empfindet, was dieandere trifft!