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Als vor zehn Jahren die Kunstakademie ihr 50jähriges Jubiläum in gross-artigster Weise feierte und Rückschau gehalten wurde auf die Vergangenheit derAnstalt, da durfte ich öffentlich constatiren, dass die Akademie die ihr von ihremKöniglichen Stifter gestellte Aufgabe mit glorreichem Erfolge gelöst habe. Sie hattesich zu einer Kunstschule entwickelt, in des Wortes schönster und tiefster Bedeutung.Das gemeinsame Band der Künstler war die Liebe zur Kunst, deren Ziele stets unver-rückt festgehalten wurden. Es war die deutsche Kunst, deren Banner von der Düssel-dorfer Kunstschule stets hoch getragen wurde, treu der Signatur des AltmeistersCornelius, der eine nationale Bildungsanstalt herzustellen berufen war und in derKunst ,,dem deutschen Genius Bahn brechen wollte." Mit den herrlichsten Blüthenwechselten seit mehr als einem halben Jahrhundert die reichsten Früchte.
Westphalen weiss, was es den Bestrebungen der Düsseldorfer Schule zu dankenhat, vor Allem dem Sprössling der Akademie, der den Namen führt: „Kunstverein fürRheinland und Westphalen", wie denn auch die Polytechnische Hochschule dieRheinisch-Westphälische heisst. Westphalen empfindet daher mit ganzer Seele dieFreuden des heutigen Tages, an dem die Akademie in ihr neues Heim einzieht, in diehohen Thore des herrlichen Neubaues, der, selbst ein Kunstwerk, würdig ist, dieKunst in seine glänzenden Räume aufzunehmen.
Westphalen ruft Düsseldorfs Künstlern heute ein freundliches Glückauf zu.Möge der Geist, in welchem die Akademie gegründet' ward und sich zu schönsterBlüthe entfaltete, mit einzieh'n in das neue Haus; dann ist ihre Zukunft gesichertfür und für, zum eigenen Ruhm und zur Ehre des deutschen Vaterlandes!"
Professor Wislicenus erwiederte dem Redner:
„Dank Ihnen, Herr Oberpräsident Westphalens, als dem ersten Curatoren, dessenthatkräftigen Schutz und Fürsorge die Akademie unter dem gegenwärtigen Directoriumzu erfahren hatte. Wir werden es nie vergessen, zu welchem Danke wir für alleZeiten Ihrer damaligen Wirksamkeit verpflichtet bleiben."
An dieser Stelle trat Herr Regierungs-Präsident von Hagemeister vor und hielt diefolgende Ansprache:
„Auch die Regierung zu Düsseldorf kann es sich nicht versagen, der König-lichen Kunst-Akademie an diesem für die Entwickelung der Anstalt bedeutungsvollenTage ihre herzlichen Glückwünsche auszusprechen.
Die amtlichen Beziehungen unseres Collegii zu der Königlichen Akademie be-schränken sich zwar auf die äusseren Angelegenheiten der Anstalt. Gern und mitFreuden haben wir aber, so viel an uns war, an dem leiblichen Gedeihen des aka-demischen Körpers mitgewirkt, und insbesondere war es uns eine ehrenvolle Aufgabe,diesen stattlichen Bau ins Werk zu setzen, in welchem, so Gott will, eine Stätte neuenRuhmes und neuer Ehren für die Pflege deutscher Kunst entstanden ist.
Aber es besteht noch ein anderes, ich möchte sagen, ein unsichtbares Band,welches unser Collegium mit der Königlichen Akademie verbindet, ein Band, welchesauf der Erkenntniss und Werthschätzung der Früchte Ihres akademischen und künst-lerischen Wirkens beruht, auf der fruchtbaren und lebensvollen Wechselwirkung, welchebesteht zwischen Ihrem Schaffen und dem gesammten Geistesleben der Nation.
Wie Sie, meine Herren, die Impulse Ihres künstlerischen Schaffens empfangenaus dem warmen Pulsschlage unseres Volkslebens, aus der Eigenart unseres Landes,aus dem, was den Ruhm und die Grösse des Vaterlandes ausmacht in Vergangenheit,