171und fragt, da er das Haus in Verwirrung fand, meine nochanwesenden Töchter, wo Vater und Mutter wären? und als ervernommen, daß sie verreiset seien, sprach er: „Euer Vater hatnicht als ein ehrlicher Mann gehandelt, sondern als ein falscherHeuchler und Betrüger, der euch ins Verderben bringt.Meine älteste Tochter antwortete darauf und sagte: „MitErlaubniß, Herr Rentmeister! Welche solches meinem Vater auf-bürden, und euch dieses weiß machen; die geben sich der Lügeschuldig. Hätte mein Vater um seines Nutzens und seiner zeitli-chen Wohlfahrt willen den Betrüger und Heuchler spielen wollenwahrlich er hätte dann seine Sache ganz anders angelegt; erhätte vor so vielen Prädicanten und zwar in Zütphen nichtöffentlich rundaus erklärt, daß er römisch=katholisch geworden seDarauf schwieg er. Doch alsbald kam er auf einen anderenGegenstand, und sagte: „So will ich euch dann auch sagen;warum ich hieher gekommen bin und welchen Auftrag ich habe:„Die Herren Deputirten legen Arrest auf alle Güter, die ihr hierbesitzet, und ihr müsset sofort das Haus verlassen, ohne dasGeringste mitzunehmen.“ Meine Töchter antworteten hierauf:„Rentmeister! Ihr thut jetzt Alles, was in Eurer Macht ist; Jnehmt uns unser zeitliches Gut, wogegen wir uns nicht wehrenkönnen, aber Gott sei Lob! das ewige Gut, unsere Seligkeit kön-net ihr uns nicht rauben. Und da wir das Haus verlassensollen, so habt Ihr nicht nöthig, uns das strenge zu befehlendenn wir sind dazu bereit, wir thun es gern und unaufgefordert,um unserem Vater und unserer Mutter zu folgen.Als dieser Auftritt unter dem Volke sich verbreitete, welchessich sehr wunderte, daß man mich und die Meinigen so barbarischund unmenschlich behandelte, die wir doch Niemand auch nur einenStrohhalm in den Weg gelegt hatten, da kamen die Männer,welche die Kornernte von mir gekauft hatten, zum Rentmeister,und fragten ihn, was doch die Ursache dieses Verfahrens sei? obvielleicht einige Schulden da seien? Er antwortete: „Nein! Aberdie Herren Deputirten verstehen das anders, als ihr:Aber, mit Erlaubniß zu sagen, das waren reine Lügen.Denn wir wissen davon anderen und besseren Bescheid, nämlichdaß die Wohl Edlen Herren Deputirten nichts anderes gethanhaben, als daß sie diesen Arrest veranlaßten, auf das Gesuch desRentmeisters, welcher vorgab, ich sei noch bei ihm in Rückstand.War dieses ſo? Sein kleiner Finger wußte das viel beſſer.Zu welchem Ende nun solches geschehen und practisirt ist,das weiß der Rentmeister und Crusius, aber ich nicht, wenn fol-gender Vorgang mich nicht darüber belehrt hätte.Als der Rentmeister Haeghen dem Crusius auf dem Kirchhofebegegnete, und ihm mittheilte, ich sei fort, so zitterte er am gan-zen Leibe, und die Farbe seines Angesichts änderte sich so, daß er
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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171
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