172nicht mehr derselbe Bernardus Crusius zu sein schien, der erzuvor war, und verschiedene Male fragte: „Ist Zelhorst fort?Pfui mir!“ Als ob er sagen wollte: „Hätte ich das vermuthet,ich würde ihm eine andere Brille auf die Nase gesetzt haben!Er geht in die Kirche. Wie er auf die Kanzel kommt,wirft er das Fußbänkchen, worauf ich zu stehen pflegte, mit gro-ßem Unwillen und verstörter Miene, nicht ohne Schimpfworte undSchelten aus der Kanzel, seine Füße zu heilig achtend, umdarauf zu stehen. Er beginnt die Predigt, und zwar mit solcherhimmlischer Andacht und Süßigkeit, ich meine mit solcher Wuthund höllischen Bitterkeit, daß die angesehensten und vornehmstenBrüder sich nicht länger enthalten konnten, ihren reformirtenEifer an Tag zu legen. Was geschah? Man zog zu Felde, dieHühner und Gänse mußten herhalten. Die Enten erschoß manoder fing sie; alles Gute war preisgegeben — nichts durfte übrigbleiben; jeder raubte was er konnte, ich verlor Alles was nochda gewesen. Von der Kornernte that man sich theils was zuGute oder verschenkte davon; Töpfe und Kessel, sowie alles imHause Befindliche, auch das Flachs auf dem Felde, was meinerTochter gehörte, wurde dem Richter zu Handen gestellt. Uebervierhundert Müt (Scheffel?) Ackerland, die ich bezahlt hatte,wurden dem neuen Prädicanten, der an meine Stelle kam,geschenkt; mein Einkommen, welches noch beim Rentmeister standnahmen die Prädicanten ein, und machten sich gute Tage davon.Ist das nicht ein guter, wunderbarlicher reformirter Eifer?Das waren die Früchte der Sanftmuth, Langmuth, Barmherzig-keit und Gottesfurcht unseres Domine Crusius, der Alles aufseine Manier zum Besten auslegt, und der keine Ungerechtigkeitsehen kann; der ferner drei Tage zuvor unserer Schwester zuZütphen, in Gegenwart meiner Tochter, gesagt hatte: „O, Schwa-ger Zelhorst hat Gott verlassen, und deßhalb ist Gottes Gnadevon ihm gewichen. Darum werdet ihr mit Augen sehen, daß ermit den Seinigen ins äußerste Elend gerathen, in den Untergangstürzen und darin verkommen wird.Was er damit meinte und im Sinne hatte, ist mir nicht be-greiflich. Indessen so viel weiß ich von glaubwürdigern Personensowie auch aus dem Munde eines seiner Mitbrüder, daß unserwohl beredter Crusius vor hatte, die Herren Deputirten glaubenzu machen, ich sei schon viele Jahre vorher römisch=katholisch ge-wesen, um sie zu bewegen, von allen diesen Jahren, wie er sievorrechnete, eine Restitution meiner Einnahme von mir zu fordern.O, barbarische Rohheit, mit höllischen Lügen vermischt!Nehmet euch in Acht! passet wohl auf, Männer, Brüderdaß Ihr im Geringsten nicht in irgend einem Punkte, in Zweifelziehet und ihn anders verstehet als Crusius. Vor Allem hüteteuch eure Predigt mit Christus und seinem Vorläufer zu begin-nen: „Thuet Buße, denn das Himmelreich ist nahe gekommen!
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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172
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