169.eilf Uhr ein guter Freund zu mir, und theilt mir mit, daß Ber-nardus Crusius Tages vorher, nämlich am Freitag in aller Früheum drei Uhr sich aus Zütphen weggestohlen habe nach dem Ge-richtshofe von Arnheim, um dort Bescheid zu holen, was manmit meiner Person beginnen solle. Der gute Mann bemerktenoch dabei: „Macht euch fort, damit ihr sehet, wo das hinauswill, denn ich fürchte, ihr kommt in große Schwierigkeiten. Sehtalso hier die Discretion, das Wohlwollen, die Geduld undGnade, die ich von Crusius zu erwarten hatteNun rathet aber einmal, wie dieses ausgekommen ist? ratheteinmal, wie diese Sache, die so heimlich getrieben, so listig aus-gedacht war, an den Tag gerathen ist? — Niemand hat dieseSache ans Licht gebracht, als der liebe Gott durch seinen heiligenEngel, meinen Geleitsmann und Beschützer, welcher den Mundeiner sicheren, in Zütphen wohl bekannten Person, die ich ausGründen nicht nennen will, eröffnet hat, so daß sie aus lauterFreude einigen guten Leuten nicht verschweigen konnte, was zumeinem und der Meinigen Untergang im Werke stand. Dieseswar also das Ende und der Schluß der Versprechungen der Prä-dicanten, vermittelst des Treibens und der Practik des aufrich-tigen und frommen Crusius. So muß man also die Arbeit undden brüderlichen Dienst auffassen, den sie mir anboten zu meinerBelehrung, und zwar so oft anboten, als es mir beliebte. Wardas keine große Freundlichkeit und brüderliche Zuneigung? Weizweifelt daran? War die Sache nicht auch gut überlegt? Nurgar zu fein, wie es der Teufel gern gesehen hatte. Die gewöhn-lichen gutherzigen-Brüder werden sagen: Wir glauben und hoffennicht, daß es also gemeint ist! Es ist möglich, was auch daraushervorzugehen scheint, daß D. Crusius, als ich im Begriffe warnach Hause abzureisen, zu mir kam im Hause meines SchwagersUitenhagen, um mir seine treue Aufrichtigkeit und brüderlicheLiebe zu bezeigen, darin nämlich, daß er mir meine verkehrteAnsicht von der Erbsünde nehmen wollte, die ich in den aus demWasser und dem heiligen Geiste. Geborenen nicht mehr anerkannte,so wie auch, daß die zurückgebliebene Begierlichkeit nicht die Erb-sünde selbst mehr ist, sondern nur eine Schwäche, gegen die wirkämpfen müssen, die uns nicht schaden, sondern mit Gottes Gnadenur nützen könne, so wir nicht mit ihr zuhalten und ihr folgenThun wir dieses aber, so trifft uns das Wort des heil. ApostelsJakobus 1, 14: „Jeder wird versucht, indem er von seiner eige-nen Lust gereizt und gelocket wird: denn, wenn die Lust empfan-gen hat, gebiert sie die Sünde; die Sünde aber, wenn sie voll-bracht ist, gebiert den Tod.“Crusius versuchte nun, mich von dieser meiner Ueberzeugungabzubringen. Aber leider hat er und seine Confratres keine Brillewodurch sie sehen könnten, daß es in Gottes Kirche viele gibt,welche ihm in wahrer Heiligkeit und Gerechtigkeit dienen, daß es
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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169
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