168.—um der Gefahr, die ich fürchtete, zu entgehen. Auch ist es wahr,daß ihr mehrmals mir seriöse Briefe geschrieben habet. Aber,wohlan, worin besteht eure Seriosität? In nichts Anderem, wieJeder einsehen kann, als in ungebundenen, schmachvollen, ärger-lichen und gotteslästerlichen Schimpfworten, so daß ich mit mehrRecht eure Briefe Brandbriefe als christliche Sendschreiben nennenkann, — Briefe, die höllisches Feuer und Flammen sprühen.Und wann wurden diese Briefe geschrieben? Nachdem ich mich, wieihr saget, mit den Meinigen des Nachts sehr früh in der Mor-genstunde an einem Sonntage nach Anholt gestohlen hatte, ohn-geachtet mir in der Dienst=Suspension Zeit gegeben war, um michmit Gott und seinem Worte zu berathen, und ihr mir zu meinerUnterweisung eure gefällige Bemühung anbotet. Ist das für michnicht eine große Schande? für euch aber eine große Ehre? War-um nicht? Denn ihr Männer, Brüder, schreibet dieses einstimmigWisset ihr aber auch wohl alle insgesammt, wie der Handel ab-gelaufen ist? Ich bezweifle es, und sehe mich deshalb genöthigt,mich darüber auszusprechen.Das bedeuten denn die Worte: „Hiermit spielt man denAffen, und den Falschen verbirgt man im Aermel?“ Wer euchnicht kennt, muß dafür halten, daß etwas besonders Merkwürdi-ges oder Wichtiges damit gesagt sei. Aber laßt den Schalk nureinmal aus dem Aermel, und man wird sehen, was dahinter steckt.An einem guten Sonntage, wo es sich gebührt, in stiller Ruheund göttlicher Andacht dem Herrn zu dienen, am Sonntage, anwelchem in Hengelo Kirchweihe ist, also ein notabler Tag, der soim Andenken bleibt, daß die Kinder auf der Straße ihren Kindernnoch später davon erzählen werden; also an diesem Tage sage ich,des Morgens fünf Uhr im Anfange Julis, wo die Sonne schoneine Stunde aufgegangen war, mußte ich abreisen, was ich sonstzu thun keineswegs gesinnt gewesen, und nach Aussage eurer un-verschämten und lügenhaften Zunge habe ich mich sodann nachAnholt fortgestohlen ohngeachtet mir durch Suspension von meinemDienste mir Zeit gegeben war. Wie lange? Hinlänglich Zeitgenug, nämlich von Anfang Juli bis Ende August 1645. Ichfreuete mich über eure Discretion und Wohlgeneigtheit so wie übereure Langmuth, indem ich glaubte, Zeit genug zu haben, um michwohl und ernstlich zu bedenken und meine Sachen gehörig zuordnen.Aber sieh, da ich voll von diesem „guten Vertrauen auf euchwar, so bekomme ich, ach! die Botschaft, die zwei Monate seien verwan-delt in zwei Tage. War das der treue Ausdruck der Wahrheit euresVersprechens? Wo blieb da meine gute Meinung von eurer Dis-cretion und Freundlichkeit, so wie eurer mir eingebildeten Langmuth? Denn als ich am Donnerstag des Abends nach der Con-ferenz nach Hause kam, in der Meinung, die mir gegebene Zeitzu benutzen, seht, da kommt am Samstag Abend zwischen zehn und
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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168
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