107Ist das nicht eine listige Erfindung, um die unschuldigenHerzen zu betrügen? Und dieses unter einem Schein und Deck-mantel des Wortes Gottes, des Wortes, von dem auch nicht eineinziger Buchstabe in der heiligen Schrift geschrieben steht. Sagtnicht der Apostel: „Hätte ich auch einen Glauben, daß ich Bergeversetzen könnte, hätte aber die Liebe nicht, so wäre ich nichts.I. Cor. 13, 2. Was ist die Liebe? Der Apostel sagt es, Röm.13, 10: Sie ist die Erfüllung des Gesetzes. Was thut die Liebe?Nichts Böses. — Welche Früchte trägt sie? „Die Liebe ist ge-duldig, ist gutmüthig; die Liebe beneidet nicht, sie handelt nichtunbescheiden, sie ist nicht aufgeblasen, sie ist nicht ehrgeizig, sie istnicht selbstsüchtig, sie läßt sich nicht erbittern, sie denkt nichts Arges,sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit, hat aber Freude an derWahrheit; sie erträgt Alles, sie glaubt Alles, sie hoffet Alles, sieduldet Alles.“ I. Cor. 13, 4 2c. Fern ist also die Liebe davon,daß sie gegen alle Gebote Gottes schwer sündigen, und keines der-selben erfüllen sollte; fern davon, zu jeglicher Bosheit geneigtzu sein.Bedenket nun, D. Crusi! ob euch nicht die Worte des Apostelstreffen, welche er seinem Lehrjünger, dem jungen Bischof Timo-theus, schrieb: „Der Endzweck des Gebotes ist Liebe aus reinemHerzen und gutem Gewissen und unverfälschtem Glauben, wovoneinige abwichen und auf eiteles Geschwätz verfielen. Siewollen Gesetzesgelehrte sein und verstehen nicht, was sie sagen,noch was sie behaupten.“ I. Tim. 1, 5 2c.Treffen Euch nun diese Worte nicht, so seid Ihr mit EurenConfratres und mit dem Erzketzer Eunomius freilich aus derSchußweite, und der Apostel hat fehl geschossen. Da er aber nichtfehl schießen kann, so verbergt und verkriecht ihr euch vergebensunter der Schutzwehr des Wortes Gottes.Vielleicht wollet ihr aus Curiosität jetzt gern wissen, wasich unter einem ruhigen und guten Gewissen verstehe. Doch, meinguter Mann, Alles ist nun schon gesagt, so ihr es nur verstehenwollet. Wollet ihr mehr, so höret nicht meine, sondern die Ant-wort des Hugo von St. Viktor, der unter allen gelehrten Män-nern wohl bekannt ist. Er sagt also: Ein ruhiges Gewissen istdas, welches Allen süß, lieb und werth, Niemanden beschwerlichist; welches den Freund gebraucht, die Gnade zu vermehren, denFeind, um die Geduld zu üben; welches Allen wohl will, undGutes thut, wo es kann; dem Gott die Sünde nicht zurechnetweil es dieselben nicht begangen, noch die Sünden Anderer, weiles diese nicht gutgeheißen hat; auch nicht die Nachlässigkeiten,weil es nicht geschwiegen; und nicht die Hoffart, weil es in derEinigkeit (im Bande der Liebe) geblieben ist.1 Tranquilla conscientia est, quae omnibus est dulcis, nulli gravisutens amico ad gratiam, inimico ad patientiam, cunctis ad benevolentiamquibus potest ad beneficentiam: cui Deus nec sua peccata imputat, quia non
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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107
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