102großen Mißgriff ich gethan, welch' große Sünde und Schande ichbegangen habe durch den Abfall und die Verläugnung der wahrenchristlichen reformirten Religion, und daß ich nun dem Papstthumanhange, welches nichts anderes sei, als ein Reich der Finsternisse,die babylonische H...e und die Verführung des Antichristen.Wenn mir dieses nun nach dem Zeugnisse des Wortes Gotteseinmal klar werde, wie peinlich werde das für mich sein? Wieunruhig und beengt werde mein Gewissen sich dann befinden!2. Ich werde mit der Zeit schon gewahr werden, und durchErfahrung lernen, daß die Papisten nichts anderes seien, als einHaufen Abgötterer und abergläubischer Menschen, die äußerlicheinen Schein von Heiligkeit trügen, aber dabei voll von Neid undMißgunst seien; schön in ihren Worten und mächtig im Versprechen führten sie aber in ihrem Innern ganz das Entgegengesetzte im Schilde.Wiewohl ich nun wegen der Ungelegenheit unserer Wohnorte,wie gesagt, über diese Punkte nicht mündlich mit Ew. Edlenreden kann, so kann ich wegen unserer guten alten Bekanntschaftdennoch nicht unterlassen, deßhalb zur Feder, zur Dinte und zumPapier zu greifen.Wie meine Verhältnisse jetzt stehen, kann Ew. Edlen ausmeinem Tractat oder Büchlein, in welchem ich schriftlich mit Euchrede, genugsam erkennen und sicher entnehmen: daß nämlich EureProphezie, ich will sagen eitele Muthmaßung und calvinistischeUeberzeugung nichts anderes, als ein lächerlicher Traum ist. Wassage ich, ein Traum? Nein, daß sie nichts anders in der Thatist, als eine Galle der Bitterkeit und ein Zusammenfluß aller Un-gerechtigkeit, die stets Böses muthmaßet und sich einbildet, wo keinBöses vorhanden ist, die stets voller Angst ist, wo man gar keinenGrund dazu hat.Ihr werfet mir vor, um mich zu verwirren und verzagt zumachen, daß mich nothwendig ein böses, unruhiges Gewissen verfolge. Warum? Weil ich den calvinistischen Geist von mir ver-bannt habe, und durch Gottes Gnade hoffe, in Ewigkeit keineGemeinschaft mehr mit ihm zu haben.Wir wissen sehr wohl, guter Mann: daß keine Strafe größerist, als mit einem bösen Gewissen gestraft zu werden, wie Isido-rus sagt, und dazu setzt: „Das Gewissen des Bösen hat stetsStrafe auf dem Halse."? — Und wiederum: „Das Gemüth, dassich selbst schuldig erkennt, und weiß, daß es in Gottes Ungnadesich befindet, ist nimmer sicher noch ruhig, denn ein böses Herz„³ — Unglücklichwird stets mit den eigenen Stacheln gequält.also, sehr unselig ist der Mensch, der ein böses Gewissen hat.Beliebt Euch nun zu wissen, was ein gutes Gewissen ist, so1 Quod nulla poena gravior sit, poena conscientiae. — 2 Conscientiarei semper in poena est. Lib. 2 soliloquior. — 3 Numquam securus est reusanimus: mens enim mala conscientiae propriis agitatur stimulis.
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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102
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