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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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99sie ihre böse Natur je länger je mehr kennen lernen, weil siegegen alle Gebote Gottes sündigen, keines ausgenommen; undsich bewußt werden, daß sie zu allem Bösen geneigt sind.Ist das nicht ein wohlgebahnter, bequemer Weg zum Him-mel? Ich staune, und kann mich nicht genug verwundern, daß derHerr Crusius und seine Confratres, wenn sie solche Stellen derheil. Väter lesen oder lesen hören, nicht außer sich und beschämtdastehen. Der Apostel spricht:Wer demnach meint er stehe, dersehe zu, daß er nicht falle. I. Cor. 10, 12. Er sagt nicht:Wer da weiß oder sicher ist daß er stehe, sondern:Wermeint.Was meinen die Prädicanten? Nicht, daß sie stehen, dennihr Fallen ist endlos. Was meinen sie denn? Daß sie mit ihremFallen in den Himmel rollen, wenn sie nur glauben.Wie ihnen das glücken und gelingen wird, das werden siegewahr werden beim Erscheinen vor dem gerechten Richter, undvielleicht schon eher, wie ich es selbst erfahren habe. Denn ichkönnte, wenn es nöthig wäre, den Prädicanten nennen, welchermir, da ich ihn auf seinem Sterbebette besuchte, sagte: OBrüder, wie pressen mich meine Sünden! und das sagte ermir verschiedene Male.Ist das die Sicherheit, welche die Prädicanten von ihrerSeligkeit haben, wenn es mit ihnen zum Sterben kommt? Heißtdas: Wissen, daß der Richterspruch in jedem Falle gut für sieausfallen muß, schon ehe sie diese irdische Wohnung verlassen?wie der englische Prädicant Cuperus und andere Prädicantensich weiß machen?Fürwahr, ganz anders reden die heil. Väter. Was sagensie: Das Gemüth der Gerechten lebt stets in Sorge, und wirftseine Augen auf das künftige Gericht (worin man untersuchenwird, was der Mensch gedacht, gesprochen und gethan hat: wo erauch über jedes unnütze Wort Rechenschaft wird geben müssen,wie der Mund Dessen geredet, der nicht lügen kann); denn siefürchten sich bei allem, was sie thun, indem sie bedachtsam über-legen, vor welch' mächtigem Richter sie stehen werden.O lieber Bernardus Crusius, wenn Du doch sammt deinenConfratres mit unserem heiligen honigfließenden Bernardus wohlbedächtest die Worte desselben:Was ist so furchtbar underschrecklich, was kann man sich Beklemmenderes und Angstvolleresvorstellen, als daß man vor jenem fürchterlichen Richterstuhle wirdstehen müssen, und dort einen so unsicheren Richterspruch erwartensoll von einem Richter, welcher alles durchschauet, so strengeurtheilt, und Niemand verschont!1 Justorum mens semper sollicita venturo examini intendit. Omneenim, quod agunt, metuunt, dum caute considerant, ante quantum judicemstabunt. Gregor. magn. lib. 8 moral. in Job cap. 3.2 Quid tam pavendum, quid tam plenum anxietatis, et vehementis-simae solicitudinis excogitari potest, quam judicandum astare illi tam terri-