79Darum sagt sehr schön der heil. Chrysostomus, um uns den großenUnterschied zu zeigen zwischen dem Lebenswandel der Gerechten,die stets mit dem königl. Propheten sagen: „Bereit ist mein Herz,o Gott“, und dem der Ungerechten, welche das Gesetz übertreten,und darum gezwungen und getrieben werden müssen: „Der Ge-rechte ist nicht unter, sondern über dem Gesetze.“ — Und derheil. Augustin sagt: „Der Gerechte ist nicht unter dem Gesetze,weil im Gesetze des Herrn sein Wille ruhet; denn, wer im Ge-setze ist, der thut nach dem Gesetze. Wer aber unter dem Gesetzeist, der wird getrieben, gemäß dem Gesetze zu leben; jener alsoist frei, dieser Sklave.“! Wollt ihr noch mehr, so leset denselbenheil. Vater. Lib. de spiritu et lit. cap. 10.So laßt es euch dann von dem Apostel gesagt sein: daßdas Ziel des Gebotes die Liebe ist aus reinem Herzen, gutemGewissen und ungeheucheltem Glauben, I. Tim., 1, 5. Laßt eseuch gesagt sein, Röm. 13: „Die Liebe thut nichts Böses undist die Vollbringung des Gesetzes.“ Laßt es euch, ich bitte euchdurch das bittere Leiden Christi, gesagt sein durch I. Cor., 13, 2:„Hätte ich auch die Glaubenskraft, daß ich Berge versetzen könnte,hätte aber die Liebe nicht (die kräftig wirkt und Gottes GeboteWollet ihr das jedoch nicht, so ver-erfüllt), so wäre ich nichts.“zeihet mir, daß ich genöthigt bin, mit dem Apostel zu sagen, daßihr unnütze Wortkrämer und Schwätzer seid, die nicht wissenwas sie sagen noch beweisen wollen.Was den andern Ausspruch des Apostels betrifft: „Christushat uns erlöset vom Fluche des Gesetzes“, Gal. 3, 13., heißtdas denn, wie ihr es behauptet: „Christus hat uns befreiet vonder Erfüllung des Gesetzes?“ Schämt euch doch, euern Unverstandso zur Schau zu tragen. Lernt doch besser, und zwar vomApostel selbst, der uns den wahren Sinn jener Worte im Römer-briefe 8, 2—4, so faßlich klarlegt: „Das Gesetz des Geistesder da lebendig macht in Christo Jesu, hat mich vom Gesetze derSünde und des Todes befreit. Denn, was dem Gesetze unmög-lich war, weil es durch das Fleisch geschwächt ward, das hatGott (bewirkt), indem er seinen Sohn in der Gestalt des sün-digen Fleisches und wegen der Sünde sandte, und die Sünde imFleische verdammte, damit die Satzung des Gesetzes in uns erfüllt werde, indem wir nicht nach dem Fleische wandeln, sondernnach dem Geiste.Geht dieses nun über euren Verstand, so hört den heil.Augustin diese Worte auslegen und erklären, indem er spricht:„Das Gesetz ist gegeben, damit die Gnade gesucht würde, unddie Gnade ist gegeben, damit das Gesetz erfüllt würde. Denndas Gesetz wurde nicht erfüllt, weil an ihm etwas gemangelt1 Justus non est sub lege, quia in lege Domini est voluntas ejus: quienim in lege est, secundum legem agit; qui sub lege est, secundum legemagitur: ille ergo liber est, iste servus. In Ps. 1.
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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79
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