Druckschrift 
Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
Seite
77
Einzelbild herunterladen
 

77Sicherheit stellt, und zwar sowohl aus dem Munde des ProphetenDavid, als des Apostels Paulus selbst. Jener drückt seine Ueber-zeugung so aus: Ps. 118, 57:Herr ich habe gesagt: es istmein Antheil, daß ich Dein Gesetz halte. Und wiederum 23, 6:Ich bin bereit und unverzagt, deine Gebote zu halten! Ist dasnicht genug gesagt? Ist das nicht klar genug für Euch, um an-ders wie bisher zu reden? Der Mund eines Mannes, den Gottnach seinem Herzen gefunden, hat diese Worte gesprochen. Oeffnetdoch einmal, wo möglich, Eure Augen, damit sie sehen, Eure Oh-ren, damit sie hören, und habt doch nicht ein so steinernes Herzeinen so unbeugsamen Nacken, daß ihr alle heilsamen, unwider-sprechlichen Worte Gottes selbst, durch den Mund seiner Prophe-ten und Apostel gesprochen, in den Wind schlaget und verachtet.Das Gesetz ist nicht gegeben dem Gerechten, sagt der Aposteldas ist wahr. Habt ihr wohl gelesen oder gehört, daß auch nurein einziger Lehrer der katholischen Kirche das Gegentheil gelehrtoder geschrieben hat? Nun sagt Ihr aber: Darum ist dem Ge-rechten das Gesetz nicht gegeben, damit er es auch nicht zu erfül-len, darnach zu leben und ihm zu folgen brauche. Wo steht diesesaber geschrieben? Ihr sagt: Dort wo der Apostel spricht:1 Röm 3, 20.Durchs Gesetz kommt die Erkenntniß der Sünde.Hierauf bezieht sich auch die Frage Eures Katechismus, welchesagt, daß keiner, auch nicht der Allerheiligste, die Gebote Gotteserfüllen könne. Ferner: Man müsse die Gebote strenge, und nachGottes Befehl predigen, aber nicht daß man sie halten solle, son-dern auf daß wir dadurch täglich mehr und mehr unsere bösesündige Natur kennen lernen. Ist das die Meinung des Apostelswie Ihr saget, so zeigt uns doch aus allen seinen Briefen nurein einziges Verslein, ja auch nur ein Wort, was solches aus-spricht und wir werden es glauben.Da nun aber ihr dieses saget und behauptet, die ihr docklügen und uns täuschen könnet, nicht aber die heilige Schrift, jaweil die heilige Schrift gerade das Gegentheil sagt; weil auch dieheil. Väter und Kirchenlehrer sowohl wegen dieser, als andererIrrlehren und Ketzereien euch verwerfen und verurtheilen, unddas Anathem über euch aussprechen; so ist diese Lehre nicht vonGott, sondern sie ist vom Vater der Lüge ersonnen, und durcheuch (nach dem Beispiel der Libertinen) an's Tageslicht gebracht.Wie müssen wir aber die Worte verstehen:daß das Gesetznicht für den Gerechten gegeben ist? Alle soeben angeführtenAussprüche des Propheten sagen und lehren dieses überflüssiggenug; auch der Apostel, wie alle seine Sendschreiben genugsambeweisen, lehrt dasselbe. Es ist und muß also der rechte Sinnjener Worte sein: Daß den Gerechten das Gesetz nicht gegebenist als ein Gebiß und Leitzaum, womit sie angetrieben, gedrängt1 Per legem cognitio peccati.