55war kein Aufschub mehr; man mußte der Sache sogleich mit allerBetriebsamkeit auf den Grund gehen; man wollte wissen, woranman mit mir sei. Bernhard Crusius, Prädicant in Zütphen, alszeitlicher Inspector, machte sich mit seinen Collegen auf die Beine,um gewahr zu werden, wie die Sache sich verhalte. Sie kamenauf mich los mit den Worten: Man sage, und es sei von fernher, nicht aus der Nähe, das Gerücht gekommen (wiewohl derSpion, der Zuträger und Ankläger nicht fern war), daß ich mitmeiner Familie nach päpstlicher Weise lebe. Wie so? Weil sievernommen hätten, daß ich Freitags und Samstags kein Fleischspeisete und daß man während der ganzen Fastenzeit kein Fleischauf meiner Tafel gesehen. Daraus zogen die Brüder den Schlußich sei gegen die evangelische Freiheit geringschätzig und päpstlichgesinnt.Die Gründe, welche mich dazu bewogen haben, wurden angeführt, und was die reformirten Brüder dawider zu sagen habenwird auch seine Antwort erhalten. Inzwischen will ich doch zuerstsagen, daß die Brüder darin sehr fehlschlugen und einen verkehrten Schluß machten, als wäre ich bereits der reformirten Religionganz entfremdet und schon katholisch geworden; denn darauf gingeigentlich ihre Nachforschung.Sollte es wohl möglich sein, daß ein Mann, der zu derSechzigern gekommen undjetzt über dreißig Jahre Prädicantund Lehrer der reformirten Gemeinde gewesen war, der in seinenrüstigsten und besten Jahren seine Zeit nur in den Büchern Cal-vins, Ursinus und anderer Doctoren der calvinischen Secte, auswelcher er seine theologische Wissenschaft geschöpft hatte, — daßdieser Mann in wenigen Tagen, Wochen und Monaten ohne wei-teres Nachdenken römisch=katholisch werden, und die römische Kirchefür die wahre heilige katholische Kirche halten sollte, über welcheer so viele Jahre geurtheilt, sich nach seiner Einbildung ausSchriftstellen, welche die reformirten Doctoren calvinistisch aus-gelegt und ihm in den Kopf gehängt hatten, ihn sogar ganz ver-sichert hatten, daß diese Kirche das eigentliche Babel, das Reich desAntichristes, voll geistlicher Zaubereien, Aberglaubens und Un-glaubens sei!Die Sachen gelehrter Männer, welche nämlich Studien ge-macht haben, stützen sich auf andere Gründe; sie haben andereGrenzen als die der gewöhnlichen Idioten, Menschen von kurzemBegriffe, welche nicht studirt, wenig gelesen haben; weßhalb vonihnen auch wenig gefordert wird, mithin auch mit gewöhnlichenund einfachen Gründen zufriedengestellt und beruhigt werden können,und sofort die Wahrheit fassen, sie glauben und ihr folgen.Männer hingegen von einiger Gelehrtheit und Wissenschaft unter-suchen und ergründen nicht bloß die Wahrheit nebst allen ihrenUmständen mit großem Eifer und vieler Arbeit, um allseitig sicherund fest zu stehen, sondern sind auch bestrebt, einem jeglichen, er
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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