26schleppen mußte. Ich konnte den Gedanken nicht bemeistern, denich dann auch bei mir selbst aussprach: Sieh'! das sind die Vor-boten, die dir ankündigen, und mit dem Finger andeuten die Mut-ter aller Menschen, welche dir entgegenkommt, um dich in ihrenSchooß aufzunehmen; sieh' da, der Tod steht vor der Thüre undklopft an, um das Haus deines Leibes plötzlich, eher als duglaubst, abzubrechen, in Trümmer zu legen, in Staub und Aschezu verwandeln zur Speise und zum abscheulichen Aas der Würmer:deine Seele aber wird von dir scheiden und vor das gerechte undstrenge Urtheil Gottes gezogen werden, um von allen ihren Ge-danken, Worten und Werken Rechenschaft abzulegen. Früher warich wohlgemuthet, ganz ruhig und zufrieden, ohne Furcht undAngst vor dem bevorstehenden Gerichte Gottes, gleichwie meine Con-fratres, in der Meinung und Einbildung befangen, daß dieguten Werke vor Gott weder Geltung noch Verdienst haben;daß auch die Sünden und bösen Werke mir nicht schaden,noch mich verdammen könnten, wofern ich nur einzig undallein an Jesum glaubte und mir die Verdienste Seinesbittern Leidens durch den Glauben allein zueignete; ja, daßich unmöglich könne verdammt werden, weil ich mir selbst (wiedie Religion der Calvinisten es haben will) vortäusche, daß Gott,ohne auf mein Thun und Lassen zu sehen, mich selig machenwolle, darum, weil er mich von Ewigkeit, woran ich nicht zwei-feln durfte, zur Seligkeit unveränderlich und unwiderruflich vor-her bestimmt hatte, was mir also nicht mißglücken könne. Deß-halb trug ich dann in Worten, Lehren und Predigen mit Cuperusdem calvinistischen Prediger in England, den Satz vor, den er inseinem Buche, das den Titel führt: „Der Himmel geöffnet!“ aus-spricht: „Laßt uns keine Furcht haben, wenn es dem Herrn ge-fallen wird, uns aus diesem irdischen Tabernakel zu versetzen, dawir ja schon, vor der Hand, unser Urtheil wissen.“ O, eitleVermessenheit! wissen wir unser Urtheil, wo bleibt dann dieHoffnung!Als ich nun aber durch besonderen Antrieb Dessen, welcherunsere Herzen in Seiner Hand hat, innerliche Prüfung anstelltereiflich und entschlossen urtheilte, suchte ich mit dem Munde mei-ner Seele mir die Worte des Apostels Paulus klar zu legen, woer spricht: „Ich bin mir nichts bewußt, deßhalb aber bin ich nicht„gerechtfertigt, denn Der mich richtet, ist der Herr, . . . . welcher„auch das im Finſtern Verborgene an das Licht bringen und die„Absichten der Herzen offenbar machen wird; und dann wird einem„Jeden sein Lob werden von Gott.“ (1. Cor. 4, 4.) Ferner:„Wir müssen alle“ (also niemand ausgenommen) „vor dem Richter-„stuhl Christi stehen, und so muß Jeder von uns für sich selbst„Rechenschaft geben.“ (Röm. 14.) „Darum wirket euer Heil mit„Furcht und Zittern.“ (Phil. 2, 12.) Und wiederum: „Deß-„halb befleißen wir uns, sei es abwesend oder anwesend, ihm zu
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Bekehrungsgeschichte des holländischen calvinischen Predigers Mathias Zelhorst in der Grafschaft Zütphen : aus dem Holländischen übersetzt
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26
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