190Die Ruine des Schlosses, wo Herodes wohnte, hatteunter den Trümmern noch einige wohlerhaltene Reliefsin Marmor. Hier hat auch früher eine Kirche mitKloster und schönem Vorhof gestanden, auch haben wirdie Gräber unter der Kirche besucht, wo früher Elisäusund andere Propheten begraben waren. Wir ritten nundurch die Colonnade von Sebaste. Es sind dies dieUeberreste von einem Säulengange, der ziemlich lang istsehr viele Säulen stehen frei im Felde und viele liegenauf der Erde als Grenzsteine.Beim Frühstück in Schabas hatten wir 300 Reaumur.Dann führte unser Weg an einem Berge vorbei, wo obeneine Festung sich befand, die unser Führer Bethulia nannte,wo Judith wohnte, die dem Holofernes das Haupt abschlugmit seinem eigenen Schwerte und dadurch die Befreiungdes Volkes Israel herbeiführte. Um 5 Uhr Nachmittagserreichten wir unsere Zelte in Ginäa (in Galiläa); derLagerplatz war auch diesmal in einer recht schönen Ge-gend, mit Palmbäumen und Cactus umgeben. Unmittelbarneben unseren Zelten war ein türkischer Begräbnißplatz,und an der andern Seite floß ein erquickendes BächleinDes Abends brachten die Mucker zwei kleine wildeSchweine, die sie im Palmenhain gefangen hatten. Inder Nacht versuchten Diebe einen Esel von einem unsererMucker zu stehlen, was eine große Unruhe verursachte. EinSchuß von einem unserer Beduinen verscheuchte die Diebe.Nach diesem kleinen Scharmützel wollte ich noch einigeStunden schlafen, wurde aber zu meinem größten Verdrußdurch das fürchterliche Geschrei der Schakale oft gestört.
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
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190
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