Druckschrift 
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Entstehung
Seite
189
Einzelbild herunterladen
 

189bleiben. Es wohnen dort 150 Katholiken, 150 Samariterund 2030,000 recht verbissene Türken. Als wir inunsern Zelten angekommen, war es bereits Abend undwir hielten es nicht für gut, im Dunkeln noch in dieStadt zu gehen. Wir schickten deshalb unsern Dragomanzum katholiſchen Miſſionar, Herrn Artis, aus Genuagebürtig, mit der Bitte, unter den obwaltenden Umstän-den uns doch mit seinem Besuche beehren zu wollen.Der hochw. Herr kam gleich und so konnten wir dieAufträge, die wir von Köln aus für ihn bekommenhatten, ausrichten, was ihm große Freude machte. Einrecht trauriges Bild entwarf der geistliche Herr von demZustande der armen Katholiken, und wie er selbst vonallem geistlichen Verkehr abgeschnitten, ganz allein aufsich angewiesen sei.8. April. Diesen Morgen stand ich um 5 Uhr aufund sah das herrliche Thal, wo unsere Zelte standen:die üppigsten Wiesen mit schönen Obstbäumen erfreutenmich um so mehr, da ich so manche öde Gegend durch-wandert. Um 6 Uhr ritt die Karawane ab. Wir kamendurch die Provinz Samaria, eine sehr schöne und frucht-bare Gegend. Gegen 9 Uhr gelangten wir nach Sebaste,wo sich das Grab des h. Johannes des Täufers, befand,worüber früher eine Kirche nebst Kloster von den Jo-hanniter=Rittern erbaut war, jetzt aber nur noch eineRuine ist; wir mußten bis zum Grabe des h. Johannesviele Stufen heruntersteigen. Das Grab des h. Mannesist ein kleiner im Felsen ausgehöhlter Brunnen. Dannbegaben wir uns in die unterirdische Kirche, die nochziemlich gut erhalten ist und jetzt als Moschee dient.