175geistlichen Herren mit dem Patriarchen zur Sakristeigingen, wurden Herr Hermens und ich von einem Kano-nikus in die Kirche begleitet. Die Kirche war schon ganzjefüllt mit Männern, Weibern mit ihren Säuglingenan der Brust und vielen Kindern, die alle so unruhigwaren, daß ich glaubte, eher auf einem öffentlichen Jahr-markt, als in einer Kirche zu sein. Die Ruhe wurdeauch nicht hergestellt, als der Gottesdienst begann, ob-schon der die Kirchenpolizei handhabende Franziskanersehr oft die Hauptruhestörer zur Kirche herausbrachte,was nicht immer auf die zarteste Weise geschehen konnte,und wobei der Gürtel desselben mitunter in Anwendungkam, wenn mit Worten nichts ausgerichtet werden konnte.Bei dem feierlichen Pontificalamte, welches der Patriarchselbst celebrirte, woran außer den Assistenten und denMinistranten wohl noch zwölf geistliche Herren, theilsmit Chormänteln und theils mit Leviten bekleidet, welcherings um den Altar auf Stühlen saßen und erhöhtedieses die erhabene hohe Feier. Der Patriarch hatte dieAufmerksamkeit, heute zum ersten Male den von unsfür das hl. Land geschenkten Kelch bei dem heiligstenOpfer zu gebrauchen. Nach dem Evangelium wurde wohleine Stunde in arabischer Sprache gepredigt, wovon ichaber natürlicher Weise kein Wort verstand. Währendder Predigt konnte ich, ohne daß es aufgefallen wäre,mich in der Kirche umsehen. Die geschmacklosen buntenFenstern störten den Eindruck, den die Kirche sonstmacht. An verschiedenen Altären wurde die hl. Messegelesen; bei der hl. Communion des Priesters kamenMänner und Weiber, viele der letzteren mit den Säug
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Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
175
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