169unsern Durchzug und zahlte den üblichen Tribut. Letz-teres ist wohl etwas reichlich ausgefallen, denn als unserDragoman uns abholte, um durch's Lager zu ziehen,wurden wir dort mit vielen Ehrenbezeugungen empfangenund bewirthet. Man reichte uns, was eine große Aus-zeichnung ist, flache kupferne Schaalen, gefüllt mit Esels-milch. Nachdem wir getrunken und gedankt, ritten wirweiter. Auf der Rückreise von St. Johann in derWüste nach Jerusalem wäre bald unserm lieben und ge-ehrten Mitpilger, dem Herrn Regierungsrath Dr. Schlün-kes, ein großes Unglück zugestoßen. Wir ritten nämlichan einem Abgrunde vorbei, über Felsen, die durch denRegen sehr glatt geworden waren. Herr Hermens, derhinter Herrn Schlünkes ritt, bemerkte, daß dessen Pferdlahmte und rief ihm zu, gleich abzusteigen, was auchgeschah. Herr Schlünkes wollte nun sein Pferd amZügel führen, doch kaum hatte derselbe einige Schrittegemacht, als es zusammenstürzte und in den Abgrund fiel.Die Fürsehung hatte den guten Herrn beschützt. HerrSchlünkes bekam nun das Pferd eines Muckers und nunging es nach Jerusalem zurück, wo wir gegen 6 Uhr an-kamen. Bei unserer Ankunft in Jerusalem trafen wir denfreundlichen Pater Deo Gratias aus Kairo mit dem HerrnDoetsch aus Coblenz, die wir bei unserm Aufenthalte inEgypten kennen gelernt hatten. Hier sei noch erwähnt, daßdas gestürzte Pferd zur größten Freude unsres Dragoman'saußer einigen Hautverletzungen keinen Schaden gelitten,den Weg nach Jerusalem selbst wieder zurückgefunden unduns auf unserer späteren Reise noch gedient hat.
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
169
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten