155seits von Räubern, andererseits von wilden Thieren.Endlich erklärte der Senior der Karawane, Herr PastorHennes aus Nothberg, daß er sich nicht mehr auf demPferde halten könne. Wir halfen ihm absitzen und leg-ten ihn in den heißen Sand im Schatten seines PferdesUnsere Wein= und Wasser=Vorräthe waren erschöpft, dennwir hatten mit mehreren armen deutschen Handwerkern,die in Jerusalem wohnend, uns von dort aus gefolgtwaren, brüderlich getheilt. Ich besaß nur noch einigePfeffermünzkügelchen und etwas Essig, was ich dem er-matteten Senior reichte. Wir Alle, auch die Handwer-ker, die als Fußgänger bei uns waren, lagen da, umuns für die Nacht unserm Schicksale zu ergeben. Wirhatten noch 4—5 Stunden bis St. Saba. Unser Dra-goman drängte aber zum Aufbruche, weil er es nicht fürrathsam hielt, länger zu verweilen und schlug vor, einenkleinen Umweg zu machen, wo wir an eine verlasseneCisterne vorbeikommen würden, die hoffentlich noch Waſ-ser enthielte. Diese Hoffnung belebte unsern Muth undwir beschlossen, diesem Rath zu folgen. Aber von denHandwerkern mußten wir drei in der Wüste liegen las-sen, die armen Leute konnten nicht mehr fortkommen.Wir versprachen, von St. Saba Hülfe zu schicken, undzogen mit schwerem Herzen weiter. Nach vielen An-strengungen erreichten wir die Cisterne, aber nun warguter Rath theuer. Wasser war da, aber es lag sehrtief. Jedoch die Noth macht den Menschen erfinderisch;so auch hier. Wir nahmen einen Hut, banden unteneinen Stein daran und ließen ihn mit Stricken undPferdegurten in die Tiefe. Glücklich kam der Hut mit
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Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
155
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