154ihm war ein jäher Abgrund. Nur einzeln einer hinterdem andern konnten wir reiten, denn nicht breiter warder Pfad, an dessen einen Seite ein Abgrund und ander andern Seite ein hoher, nicht zu besteigender Felswar. Wir mußten nun mit unsäglicher Mühe wiederzurück. Hierbei bewunderte ich den Beduinen, der vor-aufritt; als er sah, daß er nicht mehr weiter konnte unddie Steine unter den Füßen seines Pferdes anfingenabzubröckeln, auch sein Hintermann nicht schnell genuihm Platz machte, zog der Beduine seinem Pferde dieZügel an, so daß das Thier auf die Hinterfüße zu stehenkam, und drehte nun sein Pferd so, daß der ganze Kör-per des Thieres über den Abgrund schwebte. Als wirendlich nach vieler Mühe eine Stelle gefunden, um diesenhohen Felsen zu Pferde zu besteigen, bot sich dem Augeoben angekommen, ein grauenhaftes und imposantes Pa-norama dar. So weit das Auge reichte, lag ein Felsüber dem andern, ein Gebirge höher als das andere.Alle diese Gebirge und Felsen lagen im wilden Chaos,sonnverbrannt und gebleicht da, und bilden eine For-mation, wie sie sich die lebhafteste Phantasie nicht denkenkann. Furchtbar schauerlich sehen die einzelnen Licht-und Schattenpunkte aus, so daß das Auge sich unwill-kürlich abwenden mußte. „Fürwahr! hier ruhte dierächende Hand Gottes auf dem Land, wo ehemals Milchund Honig floß!“ — Nachdem wir die Felsen verlassen,mußten wir durch eine Sandwüste. Nicht allein wirReiter, sondern auch unsere Pferde waren sehr erschöpft,allein Ruhe konnten wir uns nicht gönnen, wir mußtenweiter, denn hier ist doppelt Gefahr vorhanden, einer-
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Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
154
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