152nahmen einige kleine Steine aus dem Flußbett als An-denken mit. Der Jordan hat hier ein sehr starkes Gefälle,wodurch der Strom außerordentlich reißend ist und vieleWirbel entstehen, so daß es gefährlich ist, sich in denStrom hinein zu wagen. Das Wasser war sehr mitLehm und andern Erdtheilen zersetzt, so daß ich es späterin Jerusalem erst klärte, um es dann mit in die Hei-math zu nehmen. Während ich dies niederschreibe am2. Dezember 1866, also nach 2½ Jahren, ist das Wassernoch gut erhalten, von meinen Freunden und Bekanntensind noch einige Kinder damit getauft worden. (Dasselbeist im Februar 1874, also nach beinahe 10 Jahren, derFall.) 9½ Uhr ging die Reise weiter nach dem todtenMeere. Die Gegend fängt an immer öder, trauriger undschauerlicher zu werden. Alles Leben in der Natur isterstorben, hier scheint weder Thier= noch Pflanzenweltzu existiren und auf dem sandigen Fußboden haben sichSalzkrusten gebildet. Als wir noch eine halbe Stundevom todten Meere entfernt waren, glaubte ich schon denSchwefelgeruch zu empfinden, der bei der Annäherungnoch immer stärker wurde. Das Wasser scheint schwarz-blau und bewegt sich, da es viele Salztheile enthält,außerordentlich schwer, ähnlich wie geschmolzenes Blei,und bleich spiegelte sich die Sonne in dem todten Was-ser, welches keinen Abfluß hat. Ein Mitglied der Klara-wane badete im todten Meere, mußte sich aber mit For-danwasser wieder waschen, damit das peinliche Juckender Haut aufhörte. Ich nahm aus dem Meere Steine,wodurch einige Tropfen auf meine Kleider fielen, welchesich gleich zu einer Salzkruste bildeten. Das todte Meer
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
152
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