62sieben Palmbäumen in Jerusalem war nirgends eingrünes Blatt noch Grashalm zu sehen. Die ganze Gegend,so weit das Auge reichte, war gleichsam in Trauer ge-hüllt. Ueberall Tod und Verwüstung. — Ich sahJerusalem!Ich sah einen Trümmerhaufen, woraus sich dieKuppel der Grabeskirche erhob!Lebhaft wurde ichan die Worte des Herrn erinnert: „Jerusalem, Jerusalem, daß du es doch erkenntest an diesem deinem Tagewas dir zum Frieden dient! Aber du hast nicht gewolltdarum werden auch Tage über dich hereinbrechen, vondenen du sagen mußt: „sie gefallen mir nicht“. — „KeinStein wird auf dem andern bleiben, und Jesus sah dieStadt an und weinte." — Weinte über die Sünden derWelt. — Auch ich weinte. — Die Prophezeihung desHerrn ist also buchstäblich in Erfüllung gegangen. Hierauf dieser Anhöhe kam der Direktor des österreichischenHospiz, der hochw. Herr Dr. Zschokke, um uns zu be-grüßen. Im Angesichte der Stadt Jerusalem hielt derhochw. geistliche Herr Regierungsrath Dr. Schlünkesals Vicepräsident der Karawane, eine Ansprache, alsDank= und Bittgebet. Er dankte für alle Gnaden, dieder Welt aus dieser Stadt geworden und bat den HerrnHimmels und der Erde, daß auch uns Allen die Seg-nungen zu Theil werden mögen, die Jeder von uns vonder Pilgerschaft erflehe. Wier knieten nieder, die hl.Stadt vor Augen und beteten* * * * * ** * * ** *Still, ein Jeder sich seinen eigenen Betrachtungen hin-
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
62
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