47europäischer Art eingerichteten Verkaufslokalen. VieleKaufleute sprechen hier deutsch. In einem Café warenwir mit dem Pater Deo Gratias, tranken Mokka undaßen Brod und Butter nach deutscher Weise. Auf denbreiten Straßen bewegten sich viele reiche und eleganteEquipagen mit arabischen Pferden, deren Geschirr ver-schwenderisch mit Gold und Silber verziert war. DieLivrée der Kutscher und Bedienten war ebenfalls vonkostbaren Stoffen. Vor jedem Wagen lief ein Kawas,um Platz zu machen, denn hier im Orient besteht dasGesetz, daß weder Fahrende noch Reitende einen Musel-mann, selbst wenn Letzterer mitten im Wege liegt, be-schädigen dürfen. Wenn aber ein Kawas voraufläuft,so mag der Türke überfahren werden oder nicht, es küm-mert sich dann Niemand um den Unglücklichen. Oft sahich, daß der Türke nur eben so viel Platz machte, daßdie Wagenräder an seinen Beinen vorbeirollen konnten.Hierdurch entsteht nun ein gewaltiges Schreien und Lär-meu. In den Stadttheilen, wo die Europäer das Ueber-gewicht haben, ist es ziemlich reinlich, dagegen in denStadttheilen der Araber, Türken und Griechen ist es soschmutzig und der Geruch so übel, daß es kaum auszu-halten ist. Der Araber liegt den ganzen Tag auf derStraße oder im Café, raucht sein Nargileh oder Tschibukund trinkt Kaffee, während die Frauen alle Arbeitenverrichten müssen. Letztere sind alle verschleiert, nur dieAugen sind zu sehen. Bei den besser gestellten Frauensind über der Nase kleine goldene Spangen oder Geld-stücke angebracht, der Hals mit dicken goldenen Kettenund die Ohren mit Ohrgehängen geschmückt. Die Reichen
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
47
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