39und die ganze Gesellschaft mit seinem langen Stab aus-einanderschlug, dessen Befehl auch willig Folge geleistetwurde. Nur mit vieler Mühe gelang es uns, von denFrauen, die am Waggon Obst und Eier zum Verkaufanboten, einige Erfrischungen zu erhalten, denn auszu-steigen wagten wir nicht, da die Abfahrtszeit der Will-kür des Zugführers anheimgegeben war. Aus den anden Haltestellen im Freien improvisirten Küchen etwasWarmes zu nehmen, dazu hatten wir keinen Appetit.Alles war gar zu schmutzig. — Scheußlich sahen dieMänner, noch scheußlicher die Weiber mit ihren ver-mummten Gesichtern aus, welche an den Haltestellen inder Sonne lagen (bei einer Hitze von 36 Grad Reaumur)und zu faul waren, den Schatten aufzusuchen. Derorientalischen Sitte nach sahen wir bei den Frauen nurdie Augen, die krank, triefend und mit Insecten allerArt besetzt waren. Neben den Weibern saßen oder stan-den Kinder, die von ihren Müttern in der schamlosestenWeise gestillt wurden, öffentlich vor Aller Augen. DieDörfer, an denen wir vorbeifuhren, hatten nur elendeLehmhütten, worin Mann, Weib und Kinder mit Hundund Esel das Lager theilten. Die Kinder waren allenackt. Auf dieser Fahrt wäre uns beinahe ein großesUnglück widerfahren. Ein mit Baumwolle beladenerWaggon brannte und es war große Gefahr vorhanden,daß das Feuer sich dem ganzen Zuge mittheilen würde.Der Zug hielt, der brennende Waggon wurde aus demGeleise entfernt, seinem Schicksal überlassen und der Zufuhr weiter. Nach vielen unangenehmen Begegnungenin Kairo angekommen, welches die Hauptstadt Aegyptens
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
39
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten