38besprechen. Nachdem der Reiseplan festgestellt und wirzu Nacht gegessen hatten, legten wir uns zur Ruhe.Hier schlief ich zum ersten Male in einem Bette, wie ichderen später im Orient noch oft vorfand. Ringsum,oben wie an den Seiten, war das Bett mit einem Vor-hang fest verschlossen, damit die schädlichen und giftigenInsecten den Schlafenden nicht nur nicht belästigen, son-dern ihm auch keine tödtlichen Stiche beibringen können.12. März. Nach beendigter hl. Messe, in welcherHerr Hermens und ich dem Herrn Pastor Palm dientenfuhren wir Morgens 8½ Uhr mit der Eisenbahn nachKairo, wo wir Nachmittags gegen 4 Uhr ankamen. Hierdenke man sich aber keine Eisenbahn und Verwaltunwie in civilisirten Staaten, sondern es herrscht hiüberall eine tolle Türken=Wirthschaft. Auf der ganzenStrecke war kein einziger Bahnwärter, und an den meistenHaltestellen keine Bahnhöfe, sondern in der Nähe einesgroßen Dorfes, oder an einer dem Namen nach bestehen-den Heerstraße hält der Zug. Hier wird ein= und aus-geſtiegen, auf⸗ und abgeladen. Sehr viele Kameele, meiſtmit Baumwolle bepackt, kommen an und gehen ab. Fin-det ein Passagier im Wagen keinen Platz mehr, so setzter sich oben auf denselben. Ein Geschrei, oder bessergesagt ein Gebrüll, Stoßen, Herunterreißen, durch'sFenster herein und herausspringen ist an der Tagesord-nung. Unangenehm berührte uns der Zwischenfall, aneiner Haltestelle einen Kampf, wobei der Dolch eineHauptrolle spielte, mit ansehen zu müssen; Hunderte vonTürken umstanden die Streitenden und sahen dem Ge-metzel ruhig zu, bis ein Kawas (vereideter Türke) kam
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
38
Einzelbild herunterladen
verfügbare Breiten