Druckschrift 
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Entstehung
Seite
26
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26erfüllten da meine Seele im Angesichte des Todes!Mein ganzes Leben, von meiner Kindheit an bis zudieser Stunde, rollte sich wie ein Bild vor meiner Seeleauf. Jeder Gedanke, jedes Wort, jede Handlung, und,was noch furchtbarer war, auch die Folgen meiner Worteund Werke standen da, standen zwischen mir und mei-nem Gott! Noch einen Augenblick und ich sollteRechenschaft ablegen und mein Loos sollte mir zu Theilwerden für ewig. Hier lernte ich, daß in der ernstenStunde des Todes keine Stellung in der Welt, keinReichthum, kein Ansehen etwas nützen kann. Der Menschsteht allein da mit seinen Handlungen vor seinem Richter.Ich kam mir vor wie ein Bettler mit leeren Händen vordes Reichen Thüre. Acht und vierzig Jahre habe ichgelebt, und was habe ich für die Ewigkeit gethan? MeinGott! Ewig verloren gehen? Gibt es denn kein Er-barmen? Verzweiflung wollte sich meiner bemächtigenund kalter Schweiß bedeckte meine Stirn, denn ichglaubte schon, das Hohugelächter der Hölle zu hören.In diesem Augenblicke sprach eine Stimme in meinemInnern:Hoffe auf Gottes erbarmende Liebe undBarmherzigkeit! Auch die andern Herren der Klara-wane kamen nun, wir reichten einander die Hand zumAbschiede von dieser Welt und gaben uns das Versprechen,daß, wenn einer gerettet werden sollte, er unsern theuernAngehörigen die letzten Grüße überbringen möchte. Wirsaßen nun da und erwarteten gottergeben den Tod, dennan Helfen und Retten war nicht zu denken. Es wareine nicht zu beschreibende Situation. Der Sturm unddie Wasserwogen wurden immer noch stärker. Das