27Schiff seufzte ganz jämmerlich in seinen Fugen undkrachte immer fürchterlicher, und die nächste Welle drohtees zu zertrümmern. Das Wasser war so schwer unddick, wie flüssiges Metall, und schauerlich war das An-prallen und Schlagen der Wellen gegen das Schiff zuhören. In der höchsten Noth erinnerte ich mich daran,daß ich das Anfangs erwähnte Wasser von Notre Damede la Salette für die Stunde der Gefahr mitgenommen,und wollte mit Freuden nach diesem letzten Hoffnungs-anker greifen. In der Aufregung hatte ich nicht darangedacht. Aber das gesegnete Wasser war in meiner Ca-bine unten im Schiffe. Wie nun dort hinzukommen?Der Gedanke, hier kann Gott helfen, stählte meinenMuth. Ich ließ mich an der Treppe hinunter und nachvieler Mühe gelang es mir, die Thüre meiner Cabinezu erreichen. Doch nun stellte sich ein neues Hindernißentgegen. Durch das Hin= und Herwerfen des Schiffeshatte sich die Thüre eingeklemmt und diese gab so leichtmeinen Kräften nicht nach. Endlich, nach vielen vergeb-lichen Versuchen, sprang die Thüre auf, ich nahm dasgesegnete Wasser und es gelang mir, in einer halbenStunde, wo ich oftmals hin⸗ und hergeworfen wurde,wieder den Pavillon und meine Leidensgefährten zuerreichen. Es war zwischen 4 und 5 Uhr Morgens.Alle hielten die Hand auf und riefen: „Gib mir vondem Wasser!“ Als nun der Erste sich mit dem Wasserſegnete, machte das Schiff eine Bewegung, daß wir Alleglaubten, der letzte Augenblick sei gekommen. Es warein Gefühl, als wenn das Schiff in sich zusammen ge-dreht würde. O Gott! sei meiner armen Seele gnädig!
Druckschrift
Blätter aus dem Tagebuche eines Pilgers nach Jerusalem vom Jahre 1864
Seite
27
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